Ratingen: Fragen Sie den Analytiker
VON KATHRIN SCHÄFER - zuletzt aktualisiert: 09.11.2010Düsseldorf (RPO). Voices – Das Festival der Stimmen endete am Sonntag mit einem Vortrag von Wolfgang Schmidbauer. Der Autor und Psychoanalytiker sprach im Stadttheater über "Die drei Generationen BRD" und stieß auf großes Interesse.
Es war die letzte Veranstaltung des Voices-Festivals 2010. Nach einer klanglichen Breite von Rock, Big Band, Kabarett, Musiktheater und schweizerisch wie brasilianisch modern gespielter Weltmusik, rundete ein Vortrag des renommierten Autors und Psychoanalytikers Wolfgang Schmidbauer das Festival als inhaltlich starke Stimme ab.
Die Seelenlage dreier Generationen Deutschlands nahm sich der "Zeit"-Kolumnist in seinem Vortrag "Die drei Generationen der BRD – Familiendynamische Gesichtspunkte" zum Thema. Veranlasst durch das sechzigjährige Bestehen der Bundesrepublik traf er damit Phänomene, zu denen im Alltag oft der Abstand fehlt, konturscharf, nachvollziehbar und mit nahezu befreiender Leichtigkeit.
Aus drei Generationen von Menschen, "die gearbeitet, geliebt und gelitten haben", beschrieb Schmidbauer ein soziales Gemeinwesen, das spezielle Dynamiken durchläuft. Durch die traumatisierte Kriegsgeneration, die Generation der Achtundsechziger mit ihrem Versuch und durch die eigenen Vorstellungen von Liebe und Erziehung die Wertverluste der traumatisierten Elterngeneration auszugleichen. Und deren ernüchterte, oftmals ängstliche und angepasste Kinder, die keine wirkliche Chance hatten, ein echtes Selbstwertgefühl zu entwickeln. Geteiltes Leid: Stets sind die Kinder ganz anders geworden, als es die Eltern erwartet haben. Der komplette zweite Teil der Veranstaltung war im Frage-Antwort-Format konzipiert. Ganz klar, eine kollektive, innere Biografie des Landes riss jeden vom Hocker. Hinter drei Mikrophonen sammelten sich nachdenklich Hörer aller Generationen, um sich in das Gespräch einzumischen. Wie sie die Depressionen des Enkels lindern solle, wollte eine Großmutter wissen. Wie die von den 68ern ausprobierten Erziehungsmethoden nun zu bewerten seien, fragte ein anderer.
Natürlich durfte auch der Flügel nicht fehlen, an dem am Sonntagabend Jörg Siebenhaar den Autor musikalisch unterstützte. Nur wollte der elegante schwarze Klavierlack nicht ganz zu dem mit einem zu kurzen, schiefen Tischtuch überzogenen, weißen Gartenmöbel passen, das dem Autor als Rednerpult zugewiesen war.
Mit der Ankündigung einer "Stimme, die etwas zu sagen hat", hatte Kulturamtsleiterin Inge Röhnelt die Abschlussveranstaltung eröffnet. Und mit nicht enden wollenden, interessierten Wortbeiträgen der Ratinger endete es.
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