Ratingen: Gebrochener Blick
VON ANNIKA VOSSEN - zuletzt aktualisiert: 23.03.2007Düsseldorf (RPO). Ausstellung: Einblicke in eine untergegangene Welt geben die Fotos von Jaroslav Poncar in der Galerie art 73. Sie dokumentieren, was von den riesigen Tempelanlagen in Angkor, im heutigen Kambodscha geblieben ist.
Die steinernen Figuren stehen bei Jaroslav Poncar im Mittelpunkt seiner Angkor-Fotografien, die derzeit in der Galerie art73 ausgestellt sind. Apsaras, halb Mensch halb Göttin, die anmutig, doch irgendwie auch unnahbar lächelnd in einer Wandnische verharren. Streng blickende männliche Göttergesichter, auf denen sich die Spuren der Verwitterung zeigen. Aber auch hohe Bäume, deren Wurzeln sich über die verfallenen Steingebäude zu ergießen scheinen.
Was bei all diesen Fotos in Schwarz-Weiß ins Auge fällt, ist das Licht. „Ich hatte viel Zeit zu beobachten“, sagt Poncar. Der drahtige Fotograf mit den kurzgeschorenen grauen Haaren und dem Vollbart schmunzelt. Denn die Bilder sind über einen Zeitraum von 13 Jahren entstanden, in denen er mehrere Monate vor Ort in Asien war, wo er sogar eine bestens ausgestattete Dunkelkammer hat. „Das kann sich sonst kein Fotograf leisten“.
Poncar
Bis zum 22. April sind die Fotografien in der Galerie art73, Düsseldorfer Straße 73, ausgestellt.
Öffnungszeiten: Mittwoch bis Freitag, 15.30 bis 18.30 Uhr, Samstag von 14 bis 18 Uhr.
Info: www.poncar.de und www.art73.
Grund ist, dass Jaroslav Poncar (Jahrgang 1945) ein deutsches Hochschulprojekt für die Erhaltung des Weltkulturerbes in Angkor („German Apsara Conservation Project“) fotografisch begleitet. Der Professor, der an der Fachhochschule in Köln Fotoingenieurswesen unterrichtet, bannt zusammen mit Studenten Reliefs, Figuren und Tempelanlagen auf Papier – in der Bundeskunsthalle in Bonn sind seine Fotos Teil der noch bis April laufenden Ausstellung „Angkor – Göttliches Erbe Kambodschas“. „Manchmal war ich vier oder fünf Monate im Jahr da, meistens in der Regenzeit“, erzählt der Fotograf. So konnte er immer wieder an Orte zurückkehren und sie bei anderen Lichtverhältnissen fotografieren. „Das Foto“, er deutet auf eine der Frauengestalten, „habe ich im Juli aufgenommen, da steht die Sonne im Norden. Die nordorientierten Wände bekommen so ein schönes Streiflicht.“ Ein Foto, das zwei Frauengestalten Arm in Arm zeigt und auf das Poncar besonders stolz ist, ist genau innerhalb jener zwei Wochen im Jahr entstanden, in denen das Sonnenlicht überhaupt auf die Figuren fällt.
Doch für manche der Aufnahmen war Poncar auch einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort. „Dancing in the Rain“ ist eines davon, denn nur zwei Minuten dauerte der Monsun-Schauer, den der Fotograf mit seiner Kamera einfing: Die Sonne lässt die Regenfäden und die nassen Steinfliesen hell leuchten, dunkel dagegen heben sich wie ein Rahmen die kunstvoll verzierten Tempelruinen ab. Nur alle paar Jahre kommt ein Bildband mit seinen Aufnahmen heraus. Im Herbst erscheint der nächste mit Fotos aus Burma. Poncar lächelt: „Ich arbeite sehr langsam“.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum