Ratingen: Gedenken an Brüning
zuletzt aktualisiert: 28.12.2010Düsseldorf (RPO). Natürlich werden in der Stadtkirche St. Peter und Paul Messen gelesen, Andachten abgehalten, wird zur Vesper gerufen. Doch die gotische Kirche ist auch ein Ort für vielerlei Spielarten menschlichen und geistigen Zusammenkommens.
Diesmal war es eine Art Jahrgedächtnis für Professor Peter Brüning, dessen Todestag sich zum 40. Male jährte. Es wurde seiner gedacht, es wurden Dias seiner Arbeiten betrachtet. Es gab darüber hinaus auch noch ein Orgelkonzert in der Reihe "orgelpunkt 5" mit dem Hausorganist Ansgar Wallenhorst, der dem Orgel-Festival des Jahres 2010 einen fulminanten Abschluss-Akzent setzte.
Viele Weggenossen Brünings hatten sich eingefunden, dazu etliche Mitglieder des Fördervereins Musica sacra Ratingen und auch nicht organisierte Zuhörer, die einfach Spaß an den musikalischen Darbietungen in ihrer Pfarrkirche haben.
Vielfältiges Werk
Peter Brüning ist am 21.November 1929 in Düsseldorf geboren worden und starb am 25. Dezember in Ratingen. Er lebte und arbeitete ab 1954 in Ratingen, war eine zentrale Figur der deutschen Kunstgeschichte der 50er und 60er Jahre und hat trotz seiner sehr kurzen Schaffensperiode ein vielfältiges Werk hinterlassen.
Kurz: Die Bänke waren gut besetzt, als Wallenhorst sein Programm ankündigte, in dem es um "Weihnachtschoräle im Spiegel" ging – von Johann Sebastian Bach, von Thierry Escaich aus seinem Ratinger Orgelbuch, von Charles Tournemire. Wie schön, dass noch die Grande Pièce Symphonique op.17 als Dreingabe erklang.
Autobahn- und Brückendenkmal
Kunsthistorikerin Marie-Luise Otten hatte 58 Arbeiten Brünings – Bilder, Objekte, Installationen – ausgewählt, deren Dias im Altarraum auf einer Leinwand einen gebündelten Eindruck des Schaffens gaben. Sie präsentierten sich schnörkellos, ohne Titel, ohne Erklärungen.
Und dennoch zeigten sie die machtvolle Entwicklung von frühen Bildern zu den Werken, in denen Zeichen für Landschaften und Markierungen dominieren, wo sich das Zeichen für Laubwald in geographischen Karten zur gewaltigen Figur mit Eigenleben auswächst, wo es um ein Autobahndenkmal oder um ein blaues Düsseldorf-Brücken-Denkmal in Form einer Rheinschleife geht.
Es sollte keine didaktische Schau werden, ging es doch ums Gedenken und auch darum, sich guter, gemeinsamer Zeiten zu erinnern. Da ließ auch ein Dia keinen Zweifel, das den See am Voisweg am Brüning'schen Atelier zeigte: Offensichtlich Ruhe ausstrahlend, vermittelte es gleichzeitig einen Hauch von verborgener Vergänglichkeit.
Für die Augen, die Ohren, das Gemüt hatte die Veranstaltung schon reichlich Stoff gegeben. Und schließlich – da an gnadenreicher Stelle natürlich Kneipe und Kapelle stehen – fand sich die Gemeinde in der für diesen Anlass zu winzigen Michaelis-Kapelle im Turm zu Wein und Gebäck ein.
Irgendwie war es dann so, wie gelungene rheinische Beerdigungen sind: Man ist ein bisschen traurig, weil ein geliebter Mensch fehlt, man denkt mit Hochachtung und Liebe an ihn und freut sich nebenbei aber doch, wen man aus alten Zeiten wieder getroffen hat.
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