Ratingen: Gegen den Stress im Beruf
VON STEFAN GÖRZ - zuletzt aktualisiert: 21.10.2009Düsseldorf (RPO). Welche Möglichkeiten Ratinger Unternehmen nutzen, um im Vorfeld psychische Erkrankungen ihrer Mitarbeiter zu erkennen. Stressabbau durch Sportgemeinschaften.
Bei der Firma France Telecom hat es in den vergangenen eineinhalb Jahren etwa 24 Selbstmordfälle gegeben, die nach Angaben der dortigen Gewerkschaften auf hohen Arbeitsdruck sowie auf die sich nach starkem Personalabbau ergebenen Arbeitsbedingungen zurückzuführen sind. Nicht nur unser Nachbarland haben die Vorfälle erschüttert, auch bei uns erhält die Diskussion über Arbeitsbedingungen in den Unternehmen neue Nahrung. Die RP fragt bei Ratinger Unternehmen nach, welche Maßnahmen dort als Vorbeugung gegen derartige Entwicklungen durchgeführt werden.
Die Firma Vodafone D2 GmbH aus Düsseldorf unterhält in Ratingen ein großes Call Center mit mehreren hundert Mitarbeitern. "Um zu erkennen, ob die Belastungen bei den Mitarbeitern zu hoch sind und so psychische Erkrankungen mit sich bringen, führen wir schon seit Jahren regelmäßig anonyme Befragungen durch. Themen sind dabei unter anderem: Wie zufrieden bin ich mit dem Umfeld an meinem Arbeitsplatz, mit der Aufgabenbelastung sowie mit meinen Führungskräften", so Alexander Esener, Leiter Unternehmenspresse in Düsseldorf. "Der Fragebogen wurde durch uns entwickelt und wird von unseren Mitarbeitern sehr gut angenommen. Die Ergebnisse versetzen uns in die Lage, durch bundesweite Vergleichswerte Schwachstellen an Standorten zu erkennen und dann gegenzusteuern. Das waren in der Vergangenheit beispielsweise technische Veränderungen bei den Arbeitsbedingungen als auch Schulungen der Führungskräfte."
Und Esener ergänzt: "Zudem bieten wir unseren Mitarbeitern ein eigenes Sportzentrum an, in dem diese beispielsweise in der Laufgruppe oder der Fußballmannschaft ihren Stress abbauen können."
Auch die Sparkasse Hilden-Ratingen-Velbert (HRV) verfügt nach Angaben von Ralf Wienold, Abteilungsleiter Personal, über eine eigene Sportgemeinschaft. "Oftmals ist es nicht nur die Arbeit, die krank macht, sondern es kommen Themenfelder wie Partnerbeziehung, Kindererziehung oder Suchtverhalten hinzu. Unsere Mitarbeiter können dann auf einen externen Partner zugehen und sich beraten lassen, wovon wir nichts erfahren müssen", erklärt Wienold. Zudem würden bei der Sparkasse HRV die Führungskräfte mit einer speziellen Ausbildung für das Thema sensibilisiert. "Wichtig ist uns dabei, dass die Führungskraft erkennt, wann der Mitarbeiter an einen Spezialisten übergeleitet werden muss."
Bei der Firma Balcke Dürr gibt es laut Betriebsratsvorsitzendem Joachim Dorner keine strukturierten vorbeugenden Maßnahmen gegen diese Krankheit. "Bei uns besteht allerdings ein gutes Betriebsklima, was es den gefährdeten Mitarbeitern ermöglicht, nach Abstimmung mit dem Arbeitgeber und dem Betriebsrat eine Auszeit zu nehmen. Und es gab in der Vergangenheit bei Betroffenen auf Wunsch auch eine Veränderung der Aufgabenstellung sowie eine Versetzung am Arbeitsplatz." Ansonsten werden bei der Ratinger Firma gefährdete Mitarbeiter durch einen externen Arbeitsmediziner sowie den Betriebsrat betreut.
Ist der Mitarbeiter psychisch erkrankt, fallen Kosten für die Behandlung an, die durch die Krankenkassen getragen werden. Marcus Ringel, zurzeit Leiter der Barmer Ersatzkasse in Ratingen: "Besteht die Krankheit, erfolgt die Behandlung durch den Psychotherapeuten. Diese Kosten werden durch die Krankenkasse übernommen, ebenso eine eventuell stationäre Unterbringung."
Und Ringel weist auf Folgendes hin: "Da die Arbeitsunfähigkeit durch psychische Belastungen am Arbeitsplatz heute zu den häufigsten Erkrankungen zählt, bieten wir unseren Kunden Antistresskurse zur Prophylaxe an. Hiervon übernimmt unsere Krankenkasse 80 Prozent, maximal 75 Euro.
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