Ratingen: Generalkonsul Boyse: Das macht Obama
VON NORBERT KLEEBERG - zuletzt aktualisiert: 15.05.2009Düsseldorf (RPO). Hier die lokale Nähe, dort der globale Weitblick: Wenn der amerikanische Generalkonsul für NRW ins gewiss nicht ferne Ratingen kommt, dann hat er etwas zu erzählen – zum Beispiel über die Dumeklemmerstadt. Matthew G.Boyse sprach auf Einladung des Vereins der Freunde und Förderer des Industriemuseums Cromford im Ferdinand-Trimborn-Saal vor allem über "Amerika nach der Wahl" – also über die Obama-Administration und die deutsch-amerikanischen Beziehungen. Aber zunächst plauderte der Diplomat, der bereits an mehreren Botschaften weltweit tätig war, über seinen Hausarzt, der in Ratingen tätig ist. Und er nahm sich und die Verwaltung unter Leitung von Bürgermeister Harald Birkenkamp stärker in die Pflicht. Man müsse intensiver zusammenarbeiten, forderte Boyse mit Blick auf Kooperationen gerade im wirtschaftlichen Bereich. Der Generalkonsul, der sich ins Goldene Buch der Stadt eintrug, hat ein vitales Interesse daran, dass die internationalen Beziehungen am Wirtschaftsstandort NRW weiter gedeihen. So will er Ratingen stärker in den Blick nehmen.
Hans L. Hüppe, der Vorsitzende des Fördervereins, freute sich über den prominenten Gast, der von Schülern der städtischen Musikschule mit klassischen Klängen begrüßt wurde. Staubtrocken war der Vortrag des 52-jährigen Diplomaten, der verheiratet ist und drei Kinder hat, ganz gewiss nicht. Boyse skizzierte in knappen Sätzen die politischen Strategien des neuen US-Präsidenten Barack Obama, der seit mehr als 100 Tagen im Amt ist und einen Paradigmen-Wechsel in der Politik eingeleitet hat. Die Botschaft: lange zuhören können, offene Dialoge einleiten, aber dennoch die Meinung der USA zu bestimmten Dingen konkret und hart in der Sache vertreten.
Eine Welt ohne Atomwaffen, die EU und die USA als große Machtzentren, Gespräche mit dem Iran ohne Bedingungen, Afghanistan, Pakistan, die Wirtschaftskrise, das amerikanische Gesundheitssystem, der G 20-Gipfel – Boyse warf den Zuhörern im gut gefüllten Trimborn-Saal thematische Häppchen zu. Allzu tief geriet der Vortrag angesichts der Spannbreite allerdings nicht.
Beim Stichwort Guantanamo bewegte sich der Generalkonsul gar auf diplomatischem Glatteis. Ein Zuhörer wollte die Frage beantwortet wissen, warum im Gespräch sei, Häftlinge des Gefangenenlagers beispielsweise in Deutschland unterzubringen. Plausibel konnte Boyse dieses komplexe Thema nicht unterfüttern. Leichte Unruhe im Saal war die vernehmbare Reaktion. Dass die Welt auf den neuen US-Präsidenten neugierig und wachsam schaut, belegte die Diskussion allemal. Und für Boyse war es das Zeichen dafür, dass man ihm gut zugehört hatte. Zu den Gästen zählten Ex-Bürgermeister Wolfgang Diedrich, Ex-FDP-Fraktionschef Horst Becker, Dr. Annette Koewius, Vorsitzende der Frauen Union Kreis Mettmann, CDU-Bürgermeisterkandidat Stephan Santelmann, SPD-Ratsherr Dr. Hans Kraft, RMG-Chef Frank Rehmann und Kulturdezernent Dirk Tratzig.
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