Ratingen: Geschichte(n) aus dem Turm
VON MELANIE MEYER - zuletzt aktualisiert: 12.01.2008Düsseldorf (RPO). Alles begann mit einer Theatergruppe. Anlässlich des 60-jährigen Bestehens der Stadtgarde Funken Rot-Wiss öffnete der Vorsitzende Leo Baum das Karnevalsarchiv der Funken. Außerdem wirft die RP einen Blick auf die aktuellen Sessionsorden. Dazu reichlich Termine zum Aussuchen.
Der runde Tisch im Kornsturm liegt voller Schätzchen. Veranstaltungsplakate, jede Menge alte Fotos und Erinnerungen hat der rührige Vorsitzende der Stadtgarde Rote Funken, Leo Baum, anlässlich des 60-jährigen Bestehens der Garde zusammengesucht und archiviert jetzt seine Funde. Schnell stellte er fest: Trotz akribischer Recherche herrscht immer noch einiges Rätselraten, was die Historie des Vereins angeht.
Alles begann im Oktober 1947 in der Gaststätte „Steinbach“ an der Speestraße. Einige ehemalige Mitglieder des „Vereins für Volkskunde Ratingen“ trafen sich hier und gründeten den Verein, der sich neben dem Theater auch dem Brauchtum verschrieb. Die erste Karnevalssitzung feierten sie bereits im Januar 1948 in der Gaststätte „Zum Krug“. Leider gehen aus dem Gründungsprotokoll die Namen der Vereinsväter nur teilweise hervor. „Heute können wir auch niemanden mehr fragen, da sie nicht mehr leben“, sagt Baum. Der Verein wuchs Stück für Stück. 1949 fand die erste Möhnensitzung statt und 1952 präsentierten die Funken ihre erste Bonbon-Kanone. Baum zeigt ein altes Foto, auf dem der Konstrukteur der Kanone, Wilhelm Klöppner, in jungen Jahren zu sehen ist. „Heute ist er unser ältestes Mitglied“, merkt Baum an. Ein besonderes Jahr für die Funken sei 1957 gewesen, so der Vorsitzende. Prinz Werner I. ernannte die Funken Rot-Wiss zur Stadtgarde. Die legendäre „Böller-Marie“ wurde 1982 angeschafft. Bis 2002 renovierte der Verein den Kornsturm, der seitdem das Hauptquartier der Gardisten ist. Vor zwei Jahren wurden sie zur ersten Ratinger Traditionsgarde ernannt. Das jüngste Ereignis war die „Liebeshochzeit“ mit den Amazonen. „210 Mitglieder, davon 120 Uniformierte, bilden heute unsere Basis“, fügt er an. Markenzeichen seien nicht nur die Tanzgarden, sondern auch die Kanoniere, die Marketenderinnen, Gardeköche und Fahnenschwenker.
Natürlich hätte der Verein Höhen und Tiefen erlebt, aber man hätte sich immer zusammengesetzt und über die Zukunft diskutiert. Auch wie man die Attraktivität steigert wäre immer Thema gewesen. Das Geheimnis ihres Erfolges, besonders was die positive öffentliche Wahrnehmung angehe, sei die Gemeinschaft, die sich durch Freude, Stolz und viel Humor auszeichne, sagt der Vorsitzende weiter. So erklärt er sich auch den hohen Zulauf und die Tatsache, dass sie keine Nachwuchssorgen hätten.
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