Ratingen: Griese (SPD): Mandat verpasst
VON NORBERT KLEEBERG UND PAUL KÖHNES - zuletzt aktualisiert: 29.09.2009Düsseldorf (RPO). In der Nacht zum Montag schickte die Wahlleiterin der Ratinger Politikerin eine SMS: Die 42-Jährige ist im neuen Bundestag nicht mehr dabei. Der gewählte Direktkandidat Peter Beyer (CDU) hat bereits die ersten Termine in Berlin.
Es war ein Zittern bis zuletzt. In der Nacht zum Montag, gegen vier Uhr, gab es dann die Gewissheit für Kerstin Griese. Die Landeswahlleiterin hatte ihr eine SMS geschickt. Die Nachricht: Platz 14 auf der Landesliste werde nicht zum Einzug in den Bundestag reichen.
Griese war gestern, vor dem Abflug nach Berlin, wo zur Mittagszeit der Parteivorstand zusammenkam, hörbar konsterniert. "Nein, damit habe ich wirklich nicht gerechnet", erklärte die 42-jährige Historikern, die sich im Jahr 2005 knapp gegen den damaligen CDU-Kandidaten Ewald Vielhaus durchgesetzt hatte.
Griese bescheinigte sich einen guten Wahlkampf – angesichts der Rahmenbedingungen sei es allerdings sehr schwierig gewesen, mehr Erststimmen zu holen. Die fischten ihr andere Parteien quasi vor der Nase weg.
Dass der 14. Platz auf der Landesliste nicht als Absicherung reichen würde, damit hatte sie nicht gerechnet. "Es kam eben anders", erzählte sie, "Kandidaten, die hinter mir auf der Listen standen, zogen Direktmandate. Dadurch gab es nur eine Absicherung bis Platz 13. Das ist bitter."
Wie geht es nun weiter? Griese weiß es noch nicht. "Ich habe mir bisher keine Gedanken dazu gemacht. Ich hatte bereits viele Termine für den Herbst und Winter abgemacht. All dies ist nun passé. Ich muss meinen Mitarbeiterstab auflösen." Dazu gehört auch Pressesprecher Harald Schrapers, dem jetzt nach eigenen Angaben der Gang zum Arbeitsamt bevor steht. Ob Griese der Spitzenpolitik in irgendeiner Form erhalten bleibt, ist noch nicht klar. Gestern Abend tagte der Kreisvorstand: Es gab eine erste Analyse der Ergebnisse.
Am Wahlabend selbst kam dem frisch gewählten CDU-Bundestagsabgeordneten Peter Beyer das Ergebnis noch geradezu "surreal" vor. Trotzdem folgte für ihn in der Wahlnacht und danach "kein harter Aufschlag in der Realität", wie der Anwalt gestern gegenüber der RP sagte. Am Morgen nach der langen Wahlnacht, die im Heiligenhauser "Ratskeller" bei der CDU-Fete gegen Mitternacht endete, ging der Anwalt zuerst eher prosaischen Beschäftigungen nach. "Post holen im Hösel-Center und das Wahlkampfauto zum Waschen bringen." In der Nacht zum Montag hatte er als Letztes die gemalten Glückwünsche seiner Tochter gelesen ("Super Papa, Du hast gewonnen") – und für Dienstag früh die erste Maschine nach Berlin gebucht, allerdings nur den Hinflug.
Beyers Terminkalender bis Mittwochabend liest sich alles andere als surreal. Gestern Abend gab es eine enge Folge: CDU-Stadtratsfraktion Heiligenhaus, Kreisvorstand der CDU, und ein Besuch im Lions Club nebst Wahl-Nachlese. Heute morgen fliegt Beyer nach Berlin. Um 11 Uhr tagt die Landesgruppe NRW unter Vorsitz von Peter Hintze, um 15 Uhr ist gemeinsame Sitzung der alten und der frisch gewählten CDU-Bundestagsfraktion. "Anschließend ist noch ein dritter Termin, eigens anberaumt für die Fraktions-Neulinge", so Beyer. Nebenbei möchte er sich in Berlin um ein Appartment oder eine Wohnung kümmern, bevor er am Mittwoch zur Heiligenhauser Ratssitzung einfliegen wird. Und die eigene Anwaltspraxis? "Die will ich auf jeden Fall halten. Wer weiß, was in vier Jahren ist. Hier kann ein Netzwerk befreundeter Kanzleien einiges abfedern."
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