Lintorf: Heimat hat viele Seiten
VON CHRISTIANE BOURS - zuletzt aktualisiert: 03.12.2008Düsseldorf (RPO). Die Lintorfer Heimatfreunde stellten jetzt im Stadtmuseum die 78. Ausgabe der Quecke vor. Themenschwerpunkt ist die Familie Steingen, deren Bäckerei in diesem Jahr 175. Jahre alt wurde.
Wir schreiben den 22. September 1567. Im Lintorfer Bürgershof hält Graf von Broich mit seinem Gefolge Einzug. Er bestellt für 45 Personen zwei Mittagessen, zwei Abendessen und ein Frühstück. Ganze 43 Gulden lässt er sich den Spaß kosten. „Und ich werde ihnen jetzt nicht verraten, wie viel Wein die getrunken haben“, sagte Manfred Buer, Vorsitzender der Lintorfer Heimatfreunde, bei der Vorstellung der neuesten Ausgabe der Heimatzeitschrift „Die Quecke“ schmunzelnd. Es war nämlich eine ganze Menge. Wer’s genau wissen will, muss in die Quecke schauen. Rund 60 Gäste waren zur Vorstellung ins Stadtmuseum gekommen.
Mit der Quittung für das Fest von Graf von Broich kann der Heimatforscher belegen, was viele Lintorfer eh schon wussten: Der Bürgershof ist die älteste Gastwirtschaft Ratingens und hat es damit auf die Titelseite der 78. Quecke geschafft, dem Jahrbuch der Lintorfer Heimatfreunde.
Viele fleißige Detektive
Sie waren wieder fleißig, die vielen Detektive, die jedes Jahr die Lintorfer und Ratinger Geschichte durchforsten und niederschreiben. „Was in Lintorf verborgen ist, das finden wir und versuchen es aufzudecken“, erklärte Manfred Buer. Und aufzudecken scheint es in Lintorf und Ratingen viel zu geben, stolze 272 Seiten umfasst die neueste Ausgabe der Quecke.
Dabei hatten sie es am Ende wieder spannend gemacht. Erst mittags um 13 Uhr hielt Manfred Buer das erste Exemplar der Quecke in den Händen. Fünf Stunden später präsentierte er die 78. Ausgabe im Stadtmuseum. „Eine bunte Vielfalt an Themen aus der Stadtgeschichte“, versprach Manfred Buer den Gästen, von denen viele selbst einen Beitrag geleistet haben.
Themenschwerpunkt in der neuen Quecke ist die Familie Steingen, deren Bäckerei in diesem Jahr ihren 175. Geburtstag feiert und damit einer der ältesten Handwerkerbetriebe Ratingens ist. 40 Seiten widmet das Jahrbuch den Lintorfer Urgesteinen, deren Familie inzwischen so weit verzweigt ist, dass beinahe jeder Lintorfer mit ihnen verwandt ist. „Mit Steingen kann man Lintorf pflastern“, ist also nicht nur der erste Satz des Artikels über die Familie, sondern durchaus Fakt.
Doch auch sonst gibt es viel zu entdecken. So hat sich Ewald Dietz ausführlich mit dem sagenhaften Sackerschloss in Tiefenbroich beschäftigt, und Helmut Pfeiffer blickt auf die Jubiläumsjahre der St. Sebastiani-Bruderschaft zurück, die in diesem Jahr ihr 575-jähriges Bestehen gefeiert hat.
Büchereileiterin Erika Münster-Schröer erinnert an die Machtergreifung der NSDAP in Ratingen und die Bücherverbrennung vor 75 Jahren.
Und auch dem im September verstorbenen Ratinger Ehrenbürger Ferdinand Trimborn wird in der Quecke gedacht: So ist die Ansprache nachzulesen, die Bürgermeister Harald Birkenkamp beim Trauergottesdienst gehalten hat.
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