Heiligenhaus: "Ihr Urlaub ist gestrichen"
VON PAUL KÖHNES - zuletzt aktualisiert: 23.12.2009Düsseldorf (RPO). Schnee, stundenlanges Info-Chaos, "völlig fehlendes Krisenmanagement" und eine geplatzte Kuba-Reise: Wie Dr. Carl-Heinz Ullrich mit Frau und Kindern am Flughafen Düsseldorf vergeblich auf den Start seiner Maschine wartete. Das Protokoll einer unfreiwilligen Heimkehr.
Gestern, wieder daheim am Angerweg, hatte Petra Ullrich zur gewohnten Gelassenheit zurückgefunden: "Wir sind wieder zu Hause, die Reise entfällt, wir besorgen jetzt einen Last-Minute-Tannenbaum und versuchen, für nächste Woche eine Last-Minute-Reise zu bekommen – irgendwohin." In den Urlaub wollten sie, ihr Mann Carl-Heinz und die Kinder Vincent (10) und Laura (11) eigentlich schon am Sonntag. Doch aus der Flugreise nach Kuba, via München, wurde nichts.
Was den bekannten Heiligenhauser Arzt nach dem verkorksten Sonntag vor allem in Rage brachte, war das aus seiner Sicht "völlig fehlende Krisenmanagement" angesichts des Schneechaos auf dem Düsseldorfer Flughafen.
So erlebte die Familie den Tag: Lediglich das Einchecken um 8.20 Uhr ging problemlos. Man wartete zunächst auf den Abflug nach München. "Um 10.15 Uhr fragten wir mit den anderen wartenden Fluggästen einen Mitabeiter von Air Berlin, ob und wann wir fliegen." Inzwischen hatte es angefangen zu schneien. Die Antwort sei patzig ausgefallen: "Ich weiß genauso viel wie Sie." Dabei blieb es für die nächsten sechs Stunden.
Während dieser Zeit, so Ullrich, habe die Airline nicht über den Stand der Dinge informiert. Ab 12 Uhr wurde lediglich jede Stunde im gesamten Flughafen verkündet: Wegen des schlechten Wetters verspäten sich alle Flüge um 90 Minuten. "Zu dieser Zeit wussten viele der wartenden Personen durch Handykontakte, dass dies Unfug war, da sich Düsseldorf gegen 13 Uhr in der Mitte des starken Schneefallgebietes befand und die Niederschlagsfront gegen 17 Uhr weggezogen sein werde." Für die Wartenden ging es so weiter: "Die Mitarbeiter von Air Berlin am Gate wechselten, ohne irgendeine Auskunft zu geben. Wir forderten mit etwa 50 Personen, uns umgehend zu sagen, was wir zu erwarten hätten oder was wir tun sollen. Wiederum wurde nichts über Mikro gesagt, sondern nur den vorne stehenden Personen, dass man nichts wisse. Nach vier Stunden Wartezeit ohne jegliche Information riefen wir von hinten, dass jeder wartende Fluggast die gleiche Frage habe." Darauf, so Ullrich, habe es es folgende Auskunft gegeben: "Gehen Sie zur Gepäckausgabe, nehmen Sie Ihr Gepäck und gehen Sie damit zu Air Berlin im Ankunftsbereich. Hier können wir nichts für Sie tun."
Ullrich selbst informierte darauf alle anderen wartenden Fluggäste. "Alte, hilflose Menschen, weinende Kinder und auch verzweifelte Erwachsene sowie ein taubstummes Paar organisierten sich und gingen zur Gepäckausgabe von Air Berlin." Dort hieß es: weiter warten. "Zahlreiche Passagiere gingen von der Gepäckausgabe, an der nach einer halben Stunde unsere Flugnummer auftauchte und dort nach einer weiteren Stunde wieder verschwand, zum Air Berlin-Schalter." Dort, so Ullrich, wurde ihnen gesagt, dies sei Sache der TUI, sie sollten dorthin gehen. Am TUI-Schalter erfuhren die Passagiere wiederum, dies sei Quatsch. Nach weiterer Wartezeit ging Familie Ullrich zum Schalter des Reiseveranstalters und forderte ultimativ verbindliche Auskünfte. Ergebnis an dieser Stelle: "Sie werden mit Sicherheit heute nicht mehr fliegen, Sie werden keine Ersatzmaschine bekommen, die nächsten freien Plätze nach Kuba sind am 27. Dezember zu haben, dann geht es erst wieder nach dem 12. Januar. Dieser Urlaub hier ist für Sie gestrichen."
Yasmin Born, Sprecherin der Fluglinie Air Berlin, kommentierte Ullrichs Protokoll gestern so: "Wir haben alles versucht, die Fluggäste an ihr Ziel zu bringen." So habe die Anschluss-Maschine in München noch anderthalb Stunden gewartet – länger sei nicht möglich gewesen. "Zudem hieß es am Flughafen zunächst stündlich, es werde wieder geöffnet." Dies, so Born weiter, sei keine Schuldzuweisung in Richtung Airport – "wir wurden alle vom Wetter überrollt."
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