Ratingen: Irrfahrt mit der S 6 – Grüne hoffen auf Regio-Gipfel
VON DENISA RICHTERS UND JOACHIM PREUSS - zuletzt aktualisiert: 22.09.2011Ratingen (RP). Die Grünen erhoffen sich von dem Regio-Gipfel am Freitag ein starkes Signal zur Stärkung des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) in der Region. "Wir müssen uns als Region begreifen, über Kreisgrenzen hinweg, um etwas durchzusetzen", sagt Martina Maaßen, Landtagsabgeordnete und Fraktionschefin der Grünen in Viersen, in Düsseldorf.
Laut Susanne Stocks, Grünen-Fraktionschefin aus Ratingen, muss der Ratinger Westen besser angebunden werden: "Dort leben 20 000 Menschen, und die Weststrecke soll aus Kostengründen beerdigt werden." Die S 6 sei aus Kapazitätsgründen keine Alternative zur Weststrecke, die Duisburg, Ratingen und Düsseldorf verbinden würde: "In der S 6 hat man immer eine Stehplatzgarantie", weiß Stock aus eigener Erfahrung.
"Eigentlich müssten der Duisburger OB, der Ratinger Bürgermeister und der Mettmanner Landrat zusammen für die Weststrecke kämpfen", sagt Norbert Czerwinski, Düsseldorfer Grünen-Fraktionschef. In welchem Zustand sich die Bahnen der S 6 mittlerweile befinden, macht das jüngste Negativ-Beispiel deutlich: RP-Leser Henning Loewe wurde am vergangenen Freitag Zeuge einer "besonderen Zugfahrt". Sie sollte eigentlich nur von Düsseldorf Hauptbahnhof nach Ratingen Ost gehen – normalerweise dauert das 17 Minuten. Doch Loewe benötigte geschlagene eineinhalb Stunden.
Fahrgast zieht Notbremse
Das sei so gekommen: "Der Zug war pünktlich und fuhr bis Bahnhof Derendorf seinen gewohnten Weg. Nach dem Halt Derendorf beschleunigte er recht zügig und als ich aus dem Fenster sah, waren wir auf einmal schon am Flughafen Fernbahnhof. Der Zug fuhr weiter und weiter und passierte letztlich auch den Duisburger Hbf ohne Halt. Etwa einen Kilometer hinter dem Hauptbahnhof stoppte der Zug abrupt auf offener Strecke. Bis zu diesem Zeitpunkt erfolgte keinerlei Durchsage. Weder vor der Abfahrt am Düsseldorfer Hauptbahnhof noch im Zug.
Alle Fahrgäste waren sehr irritiert. Drei Frauen haben sichtlich Panik bekommen, da niemand wusste, was los war. Der Lokführer ging mit Handy am Ohr durch den Zug und war dabei sichtlich genervt. Er wurde von mehreren Fahrgästen angesprochen und teils auch massiv beschimpft. Nach einigem Hin und Her stellte sich heraus, dass ein anderer Fahrgast in einem anderen Waggon die Notbremse gezogen hatte.
Nach dem Zwangsstopp fuhr der Zug ohne Halt bis Essen Hbf durch. Von anderen Fahrgästen erfuhr ich dann, dass das Durchsagesystem im Zug nicht funktioniert hatte. Angeblich hätte der Lokführer eine Durchsage getätigt, nur keiner hat sie gehört. Grund der Streckenänderung wäre eine Störung am Gleisbett auf der Strecke zwischen D-Rath und Essen."
Am Essener Hauptbahnhof sei der Lokführer von einigen erregten Fahrgästen massiv beschimpft worden, berichtete Loewe weiter.
Mit dem Zug in Richtung Köln sei er schließlich erst nach eineinhalb Stunden in Ratingen Ost angekommen, berichtete Henning Loewe weiter.
In dieser Bahn habe die Lautsprecheranlage übrigens funktioniert. Loewe: "Es zeigt auch einmal mehr, dass endlich neue Züge auf der Linie S6 eingesetzt werden müssen."
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