Heiligenhaus: Jetzt buddeln sie wieder
VON PAUL KÖHNES - zuletzt aktualisiert: 04.04.2007Düsseldorf (RPO). RP-SERIE Frühlings-Rolle: Nur Heinz Erhardt nahm sich die Freiheit, die Gartenwühler „Mundschmeiß“ zu nennen. Gartenbesitzer fürchten ihr Treiben. Naturschützer dagegen sagen: Maulwürfe sind keine Schädlinge.
Besonders geschützt
Ziemlich schlechte Karten hat der Gartenbesitzer, der den Maulwurf auf dem eigenen Grundstück wieder loswerden möchte. „Dazu besteht kaum eine Chance“, sagt der Heiligenhauser Naturschutz-Experte Hans Schöttler. Es gehe allenfalls auf dem Weg eines komplizierten Verfahrens, an dem die Untere Landschaftsbehörde beteiligt werden müsse.
Die Auflagen seien so streng, das selbst auf Golfplätzen nichts gegen Maulwurfshügel unternommen werden dürfe.
Im Zweifel empfiehlt Schöttler, sich mit Fragen an die Kreisverwaltung zu wenden.
Unter Naturschutz steht er, der Maulwurf, der im zeitigen Frühjahr zu neuer Aktivität erwacht und seine unterirdischen Gänge erneuert. Viel gehasst, oft bekämpft und dabei völlig verkannt, wie Helmut Beine, Experte des Nabu, klarstellt: „Der Maulwurf ist kein Schädling – er ist des Gartenbesitzers Helfer. Ich habe etwas dagegen, Lebewesen in Nützlinge und Schädlinge einzuteilen – aber Maulwürfe gehören ganz ohne Zweifel zu den Tieren, die dem Gartenfreund besonders nützlich sind. Man muss wissen, dass der Maulwurf ein Insektenfresser oder, ganz allgemein, ein Fleischfresser ist.“
Hans Schöttler, Beines Heiligenhauser Bund-Kollege, ergänzt: „Von regelrechter Maulwurfsplage kann hier nicht die Rede sein. Es gibt allenfalls eine Wühlmausplage.“ Mit dem schwarzen Nützling verbindet Schöttler eher Anekdotisches: „Vor zwei Jahren hat mir jemand mal einen gut erhaltenen, toten Maulwurf vorbei gebracht. Der ist inzwischen pärpariert im Schloss Benrath zu sehen.“ Schöttler hat gute Kontakte zu Präparatoren.
Was aber zeichnet den lebendigen Maulwurf aus? Er kann außerordentlich gut hören und nimmt die leisesten Geräusche wahr; sogar eine Insektenmade, die in der Erde in einen Maulwurfsgang fällt, macht für ihn ein lautes Geräusch. Wie eine schnelle U-Bahn fährt er dann durch seine Tunnelröhren und frisst den Eindringling. Ein empfindlicher Geruchssinn lässt den Maulwurf Beutetiere erschnuppern, die im Erdreich verborgen sind. Seine erste Nahrung im Frühjahr, das sind die vielen Insektenpuppen und -maden, Schnecken und Schneckeneier, die im Boden den Winter überstanden haben. „Der Maulwurf schädigt keine Pflanzen und frisst keine Wurzeln – das macht die Wühlmaus“, so Beine weiter. „Wühlmäuse bohren ihre Erdgänge dicht unter der Oberfläche, von wo aus sie bequem an die Wurzeln gelangen können.“
Der Maulwurf empfindet die Wühlmaus als Störenfried, der sein Tunnelsystem zerstört. Wenn eine Wühlmaus in eine Tunnelröhre des Maulwurfs gerät, greift er sofort an.
Mit seinen großen, krallenbewehrten Schaufelhänden und seinem scharfen Gebiss bleibt der Maulwurf immer Sieger, und nach dem Kampf wird die Wühlmaus oft mit Haut und Haar verspeist. Allerdings ist kaum jemals eine Wühlmaus so unvorsichtig, sich in einen Garten zu begeben, wo Maulwürfe sind. Ein Maulwurf im Garten ist aus Sicht der Naturschützer ein wesentlicher Faktor für das Gedeihen gesunder Blumen, Sträucher und Obstbäume. Deswegen hat der Nabu eine Reihe von Tipps zusammengestellt. Beines erster Rat: „Gönnen Sie dem kleinen Helfer, dass er einige oder auch viele Hügel auf der Wiese aufwirft.“
Die unterirdischen Röhren belüften den Boden und wirken auch als Dreinagesystem.
Schließlich: Die Erde von Maulwurfshügeln gilt, pur oder mit etwas Kompost vermischt, als beste Erde für Blumenkästen und -töpfe.
Zu guter Letzt rät der Nabu dringend davon ab, Wühlmausgift, Gaskörper oder Wühlmausfallen im Garten einzusetzen. Beine. „Meist werden Maulwurfstunnel mit Wühlmausgängen verwechselt.“
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