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Ratingen: Jürgens sucht neue Helden

zuletzt aktualisiert: 03.03.2008

Düsseldorf (RPO). „Habt ihr kein Licht in Ratingen?“ rief Stefan Jürgens empört und stand im Dunkeln auf der Bühne des Stadttheaters. Das Publikum war verwundert, der Gag natürlich abgesprochen. Denn im Programm des Schauspielers, Kabarettisten und Musikers geht es um Angst – vor der Dunkelheit, dem Keller, dem Schrank, „je nachdem, wie die Kindheit war“.

Eine Satire auf die Gesellschaft

Und das war nur der Anfang, denn sein Programm „Heldenzeiten“, eine Mischung aus Konzert und Comedy, entwickelte sich zu einer bissigen Satire auf unsere Gesellschaft und Lebensweise. Es ging um Angst vor der Zukunft, vor dem Älterwerden und dem Kinderkriegen. Um Sprühschlamm, teuren Wein mit Cola und Nass-Abspielen von Schallplatten. Dabei kann die Welt ja eigentlich nicht so schlimm sein, da im Publikum so fleißig gelacht wurde. Überhaupt konnte sich das Ratinger Publikum auch prächtig selbst amüsieren und steuerte durch viele Zwischenrufe Einiges zum Spaß am Programm bei. Jürgens ärgerte sich mit den aufmüpfigen Zuschauern gerne herum, holte dann aber zur Strafe auch einen von ihnen auf die Bühne.

Irgendwann lachte ihn aber selbst seine eigene Band aus, schließlich sogar er sich selbst. Das kann der Mann mit dem Nadelstreifenanzug und den charismatischen Augen nämlich gut. Immerhin war er viele Jahre in der Comedyshow „RTL Samstag Nacht“ zu sehen.

Als es ihm aber reichte, setzte er sich ans Klavier, legte Hand an die Tasten und sang einige Lieder seines neuen Albums. Merkwürdig melancholisch und nachdenklich, einerseits im Kontrast zur Heiterkeit des Programms, andererseits passend zur unterschwelligen Gesellschaftskritik. Leider nuschelte er dabei ein wenig ins Mikrofon wie Udo Lindenberg, aber das Publikum hörte sich seine Musik mit den gefühlvollen Gitarren-Intros trotzdem gerne an.

Nach über zwei Stunden kam Stefan Jürgens schließlich zum Ende und drängte dem Zuschauer den Appell zur Nächstenliebe quasi mit dem berühmten Vorschlaghammer auf. Er plädierte für Angst vor der Gegenwart statt vor der Zukunft. Und er forderte eine Generation neuer Helden im Alltag.

Quelle: RP

 
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