Ratingen: Jugendrat lehnt Neubau ab
VON DÉSIRÉE LINDE - zuletzt aktualisiert: 14.12.2007Düsseldorf (RPO). Zum ersten Mal kam das Gremium im Sitzungssaal des Rathauses zusammen – und sprach sich gleich gegen einen Beschlussvorschlag der Verwaltung zum Höseler Jugendtreff aus. Nun geht das Thema in den Stadtrat.
Für Nadine Brkic ist es an diesem Abend eine neue Erfahrung. „Ich bin schon länger in der Schülervertretung unserer Schule und wollte einfach mehr tun für die Jugendlichen”, sagt die 16-Jährige vom Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium. Deswegen hat sie sich bei den Wahlen zum Jugendrat aufstellen lassen. Und wurde wie 25 andere Ratinger Schüler auch gewählt. Nun kamen die Delegierten das erste Mal im großen Sitzungssaal im Rathaus zusammen.
Keiner der Jugendlichen hat dem alten Gremium angehört. Und mit den neuen Gesichtern ziehen offenbar auch neue Töne in den Jugendrat ein. Denn eines hat der Jugendrat bei seiner konstituierenden Sitzung klar gemacht: Er hat seinen eigenen Kopf. Direkt in ihrer ersten Sitzung beschlossen die 25 Delegierten (nur einer fehlte), dem Rat einen geänderten Beschlussvorschlag in Sachen Jugendtreff Hösel vorzulegen. Die Verwaltung hatte empfohlen, den Treff wieder an seinem alten Standort an der Bahnhofstraße 98 zu bauen. Die Jugendlichen wollen ihn aber lieber im Bereich Fernholz (Heiligenhauser Straße) haben. „So ein Bau prägt die Jugendarbeit für 20, 30 Jahre. Da wollen wir lieber etwas 100-Prozentiges, was vielleicht länger dauert als etwas 40-Prozentiges, das schneller geht”, sagt Max Baumgart, Delegierter vom Immanuel-Kant-Gymnasium.
Für den neuen Standort spreche, dass mit dem Anschluss an den bestehenden Jugendspielplatz ein echtes Zentrum geschaffen würde. Michael Hölzle, Leiter des Amtes für Stadtplanung, warnte die Jugendlichen vor Ärger mit Anwohnern wegen möglicher Lärmbeschwerden. Zudem drohe bei einer Verwirklichung der Jugendratspläne ein zwei- bis dreijähriges Verfahren, weil der Bebauungsplan geändert werden müsse. Auch Politiker verschiedener Fraktionen versuchten, die Jugendlichen von ihrem Plan abzubringen. Allein: Es half nichts. Mit 23 Ja-, zwei Nein-Stimmen und einer Enthaltung stimmten die Jugendlichen für den eigenen Beschlussentwurf. Den muss jetzt der Rat am Dienstag behandeln.
Der Jugendrat beschloss weiter, sich mit Höseler Jugendlichen zu einem Ortstermin Am Sondert in Sachen Skateranlage zu treffen. Auch das Thema Alkohol wurde behandelt: Der Rat plant, zu Altweiberfastnacht in Zusammenarbeit mit Geschäftsleuten mit einem Alkoholmessgerät Jugendliche auf den Promille-Wert zu testen. Zeigt das Messgerät 0,0 an, soll es ein Geschenk geben. Beeindruckend dabei war das Engagement, mit dem sich die Schüler an der Diskussion beteiligten. „Ich bin selbst überrascht von diesem Einsatz der Jugendlichen”, sagte Michael Hansmeier vom Jugendamt. Dabei war es für alle eine Premiere, keiner war mit dem großen Sitzungssaal oder der Mikro-Anlage vertraut. Mit über drei Stunden war die Sitzung auch die bisher längste in der fast zehnjährigen Geschichte des Jugendrates. Nadine Brkic ist von ihrer Premiere als „Ratsfrau“ dennoch begeistert. Ihre Idee einer Verbesserung der so genannten „Discoline“ der Rheinbahn, die sie in einer Arbeitsgruppe schon vor Wochen erarbeitet hatte, wurde aufgegriffen. Am 2. Februar steht ein Treffen mit der Rheinbahn an. Dann sollen die Jugendlichen ihre Ideen selbstbewusst präsentieren. KOMMENTAR
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum