Ratingen: Kandidaten im Kreuzfeuer
VON CHRISTIANE BOURS - zuletzt aktualisiert: 06.05.2010Düsseldorf (RPO). Am Dienstagabend standen die Kandidaten der Landtagswahl 130 Jugendlichen Rede und Antwort. Der Jugendrat hatte wie bei früheren Wahlen auch zum Informationsabend eingeladen. Thema war die Zukunft der Schulen.
Der Wahlkampf zur Landtagswahl hat seinen Höhepunkt erreicht, die Politiker werben mit allerlei Versprechungen um die Stimmen der Wähler. Doch wofür stehen die einzelnen Parteien wirklich? Dieser Frage gingen am Dienstagabend über 130 Jugendliche im Lesecafé des Medienzentrums nach.
"Deine Wahl" – der Informationsabend für junge Wähler ist in Ratingen inzwischen zu einer guten Tradition geworden. Dort können sich Jugendliche, die zum ersten Mal ihre Stimme abgeben oder sich für Politik interessieren, ausführlich informieren und den Kandidaten der Parteien auf den Zahn fühlen.
Jugendrat
"Deine Wahl" – der Informationsabend für junge Wähler wurde vom Jugendrat der Stadt Ratingen mit Unterstützung des Evangelischen Jugendnetzwerkes organisiert.
Der Jugendrat wurde 1999 gegründet und setzt sich für die Interessen der Jugendlichen in der Stadt ein.
Dass sie auf einer etwas anderen Veranstaltung als sonst waren, war spätestens nach der Begrüßung durch den WDR-Moderator Andreas Vollmert klar. Denn erst einmal sorgte Rapper Iko aus Düsseldorf für Stimmung, bevor Tina Pannes das Wahlsystem erklärte. Hochkonzentriert verfolgten die Jugendlichen die Präsentation mit den Erklärungen, wie der Landtag gewählt wird und wie er arbeitet.
Große Klassen, Lehrermangel
Dann ging es los. Dr. Wilhelm Droste (CDU), Elisabeth Müller-Witt (SPD), Susanne Stocks (Grüne), Heinrich Bartels (FDP) und Dr. Karl Mühlsiepen (Linke) mussten sich anstrengen, um die kritischen Fragen von Jugendlichen und Moderator zu beantworten. Die jungen Zuhörer waren in die Diskussion eingebunden, konnten immer wieder Fragen stellen und selbst ihre Meinung sagen. Logisch, schließlich wissen sie genau, um was es geht, wenn Politiker über die Ausstattung an Schulen, Turbo-Abi oder Studiengebühren reden.
Größte Kritikpunkte der Schüler: Zu große Klassen, zu viel ausfallende Unterrichtsstunden und der Lehrermangel in naturwissenschaftlichen Fächern. Eine Schülerin der Gesamtschule berichtete zum Beispiel, dass in einem ihrer Kurse 35 Schüler seien, der Klassenraum dafür aber gar nicht ausgerüstet sei. "Da müssen jedes Mal fünf Leute stehen oder sich auf den Boden setzen", berichtete sie.
Ein anderer Schüler erzählte, dass er in der zehnten Klasse keinen Physikunterricht hatte, weil es keinen Lehrer an der Schule gab. Und auch die Verkürzung des Gymnasiums auf acht Jahre sehen viele Schüler kritisch. "Die Lehrpläne sind nicht angepasst worden, wir müssen immer mehr in immer weniger Zeit lernen." Austauschaufenthalte im Ausland, die früher meist in der elften Stufe gemacht wurde, seien jetzt auch nicht mehr möglich. Und auch ein Studium ist für die meisten Schüler "dank" der Studiengebühren kein verlockender Gedanke mehr.
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