Ratingen: Karneval - was der Spaß kostet
VON PAUL KÖHNES UND MELANIE MEYER - zuletzt aktualisiert: 05.02.2007 - 09:35Düsseldorf (RPO). Wenn Garden Prunksitzungen bieten und der Rosenmontagszug 100000 Gäste nach Ratingen lockt, dann ist das ein riesiges närrisches Vergnügen. Damit alles klappt, braucht es zwei Dinge: Engagement - und Geld.
Der Bühnenaufbau war „eine Stiftung“, die Gesamtkosten beliefen sich auf 719,55 Mark, es gab 598 Mark Einnahmen, den Differenzbetrag übernahm „vereinbarungsgemäß“ die Prinzengarde Blau-Weiss. So einfach liest sich die Abrechnung für die Prinzenkürung - allerdings die für das Jahr 1967, festgehalten in närrischen Annalen. Exakt 40 Jahre später rechnet Dr. Hubertus Brauer, Chef des Karnevalsausschusses, in ganz anderen Dimensionen.
„Je nach Programm stehen Prinzenkürung und das Hoppeditz-Erwachen mit 40000 bis 60000 Euro zu Buche. Das ist von Jahr zu Jahr unterschiedlich.“ In dieser Summe seien allein rund 15000 Euro Umsatz- und Körperschaftssteuer enthalten, außerdem Künstlergagen, Druckkosten fürs Programmheft, Gema-Gebühren - und nicht zuletzt ein vierstelliger Betrag für Versicherungen. Kurzum, so Brauer: „Die Prinzenkürung langt hin.“ Natürlich kommt auch Geld herein: über Eintrittsgelder und Sponsoren zum Beispiel. Für Brauer ein klarer Fall: „Wir sind auf Gönner aus der Wirtschaft angewiesen.“
Etwas anders verhält es sich mit dem Rosenmontagszug: „Das ist gemeinnütziges, kein gewerbliches Engagement“, erklärt Brauer. Geld fließt trotzdem: Organisation und Versicherung des närrischen Lindwurms kosten rund und roh 20000 Euro pro Session. Darin enthalten ist auch die „Auslands-Künstlersteuer“ wie sie für Musikgruppen aus den Niederlanden fällig wird. Nicht zuletzt solche eher exotisch anmutenden Kostenposten sind der Grund dafür, dass der närrische Aufsichtsrat professionelle Steuerberatung braucht.
Und was gibt ein „Privat-Jeck“ aus? „Eigentlich geht es um den Spaß an der Freude“, sagt Claudia Siebert. Zusammen mit fünf Freundinnen will sie die närrischen Sitzungssäle unsicher machen. „Da kommt schon was zusammen“, fährt sie fort. Die Kosten für das Kostüm seien von Jahr zu Jahr unterschiedlich, eigentlich reiche der eigene Fundus. In diesem Jahr sollte es aber mal was Besonderes sein. Die Kosten für Yeti-Verkleidung samt Accessoires belaufen sich auf rund 55 Euro. „Hinzu kommen die Karten für die Sitzungen“, sagt sie. Die Freundinnen gehen in dieser Session gleich auf zwei. Kosten: 45 Euro. Des Weiteren werden fällig: Posten wie Getränke- und Taxikosten. Sie schätzt, wenn es günstig kommt, für die närrischen Tage auf rund 250 Euro.
Und so kann der närrische Etat eines Garde-Karnevalisten aussehen: Zusätzlich zum Mitgliedsbeitrag stattet sich der „Profi-Jeck“ selber aus. Für eine maßgeschneiderte kleine und große Uniform mit Gardestern, Schiffchen oder Federbusch sowie zwei Hosen werden 500 Euro fällig. „Wir haben einen großen Fundus. Wer erst einmal ausprobieren möchte, kann sich hier das Passende aussuchen“, so der Blau-Weiss-Vorsitzende Frank Schopshoff. Anders beim Pagettencorps, das vom Verein und von Sponsoren komplett ausgestattet wird. Selbst zahlt der Prinzgardist noch sein Wurfmaterial - 100 bis 200 Euro kostet das, je nachdem was er werfen möchte.
Der Verein trägt die größten Kosten, unterstützt wird er vom Sessionsschirmherr: Angefangen bei den Kosten für den Wagen und seinen Unterhalt bis hin zum einfachen Sessionsorden, der zwischen fünf und 20 Euro kostet. Nach oben sind, gerade für Sonderehrungen wie den Orden des „Ritters des blauen Dumeklemmers“, so Schopshoff, keine Grenzen gesetzt.
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