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Lintorf: Kentern muss man können

VON PETRA WILLNAUER - zuletzt aktualisiert: 17.02.2009

Düsseldorf (RPO). Der Nachwuchs des Segelclubs Ratingen trainierte im Hallenbad Lintorf den Ernstfall: Susanne Hilgenstock zeigte den Kindern, wie man Jollen nach dem Umfallen wieder aufrichtet.

"Und jetzt kräftig gegen das Schwert stemmen", ruft Susanne Hilgenstock, Jugendleiterin des Segelclubs Ratingen, vom Beckenrand ihren Schützlingen zu. Gegen das Schwert stemmen? Wo Laien nur Seglerlatein verstehen, weiß der zwölfjährige Philipp Achenbach haargenau, was er zu tun hat. Das kleine Segelboot mit nur einem Segel, ein Optimist, ragt halb aus dem Wasser, am Bauch des Bootes befindet sich das so genannte Schwert, das normalerweise die Abdrift verringert, aber Jollenseglern auch hilft, das gekenterte Boot wieder aufzurichten: Er steigt einfach drauf. "Der Trick ist, sich mit seinem eigenen Körpergewicht dagegenzustemmen", erklärt der Jungsegler. Er ist einer der 14 Kinder im Alter von acht bis zwölf Jahren, die im Lintorfer Hallenbad das Kentern üben sollen. Nach der bestanden Jugendscheinprüfung 2008, die die Kinder befähigt, mit altersgerechten Segelbooten zu fahren, hofft der Verein, dass seine Jugend bald auch bei Regatten mitfahren kann. "Der Ernstfall wird bei uns regelmäßig geübt. Wenn wir mit unseren Segelbooten unterwegs sind, kann es schon mal passieren, dass die Kinder von einer Welle erfasst werden oder eine Böe ungünstig kommt." Doch so ein "Opti" kopfüber ist für die Jungen und Mädchen eine Herausforderung. Denn wenn das Boot aufgerichtet ist, muss der Segler schließlich auch wieder hinein.

"Das macht man am Besten vom Heck aus", weiß Raphael Lehmann und zeigt auf einen Seglerkollegen, der sich, selbstverständlich mit Schwimmweste, gerade neben dem Ruderblatt abmüht. Er und Philipp sind schon fertig mit ihrer Übung. "Das war leicht", grinsen beide und schauen nun fachsimpelnd und von einem Schlauchboot aus den übrigen Kindern zu. "Wenn man drin ist im Boot, muss aber auch das Wasser wieder raus. Das macht man mit der Pütz", Raphael zeigt auf die Schöpfkellen, die am Beckenrand liegen.

Erst schleifen, dann segeln

Am anderen Ende des Beckens wird Hilgenstock mittlerweile von ihrem 67-jährigen Vater Wolfgang Hilgenstock abgelöst. Seit 1991 ist er Vorsitzender des Segelclubs Ratingen und steckt mit seiner Leidenschaft alle an. "Das beginnt schon damit, dass wirklich alle Boote einen Namen haben. Unser Übungsboot heute heißt zum Beispiel First Love. Das passt doch", lacht er.

Sein eigenes Boot, die "Truse", ein 30 Jahre altes Kasko, hegt und pflegt er, wann immer er Zeit hat. "Das bringen wir auch unserer Jugend bei."

Und so heißt es im März erst mal, Boote abschleifen, bevor es im April wieder in Bösinghoven bei Meerbusch "auf See" geht. "Wir haben auch Boote auf dem Baldeneysee in Essen, doch dort ist zuviel Verkehr auf dem Wasser."

Quelle: RP

 
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