Ratingen: Kinder in Not – Zahlen steigen
zuletzt aktualisiert: 26.01.2009Düsseldorf (RPO). Montags-Interview mit Kornelia Schröder, der Vorsitzenden des Kinderschutzbundes Ratingen. Allein hier hatte man im vergangenen Jahr mit 120 Fällen von Missbrauch oder Vernachlässigung zu tun.
Im Dezember haben Sie von den Damen des Lionsclubs eine Spende von 1500 Euro erhalten. Wo geht dieses Geld denn hin?
Schröder Das Geld fließt in unsere laufenden Betriebskosten mit ein, also in die Personal-, Miet- und Nebenkosten. Dazu kommt das ganze Material für unsere Therapien. Wir haben immerhin einen Etat von 177 000 Euro, von dem wir 37 Prozent aus Spenden finanzieren müssen.
Wie viel Geld brauchen Sie denn pro Jahr?
Schröder Etwa 56 000 Euro, eben die 37 Prozent. Der Rest wird von den Städten Ratingen, Heiligenhaus, Mettmann und Wülfrath sowie dem Landschaftsverband getragen.
Zur Person
Kornelia Schröder wurde 1955 in Hagen geboren. Sie studierte Jura in Münster und kam 1979 nach Ratingen. 1988 kam sie zum Kinderschutzbund und betreute ehrenamtlich eine Krabbelgruppe. 1992 wurde sie stellvertretende Vorsitzende des Kinderschutzbundes, seit 2001 ist sie die Vorsitzende. Kornelia Schröder ist verheiratet und hat zwei Kinder.
Spenden die Ratinger denn viel Geld oder eher wenig?
Schröder Das ist immer saisonal bedingt, gespendet wird eigentlich immer in Wellen. Und es hängt davon ab, ob irgendwo große Katastrophen geschehen sind. Die ziehen nämlich immer Geld ab. Generell wird aber immer zur Weihnachtszeit viel gespendet, im Sommer entsteht dagegen regelmäßig ein Loch.
Wie hoch sind denn die Fallzahlen beim Kinderschutzbund?
Schröder Im vergangenen Jahr hatten wir in unserer Anlaufstelle 120 Fälle aus Ratingen. Dazu gehören Fälle von Missbrauch und Gewalt in der Familie, aber auch die Zahl der vernachlässigten Kinder ist inzwischen konstant hoch.
Wie erkennt man denn Kinder, die Probleme haben?
Schröder Zuerst einmal an Verhaltensauffälligkeiten. Die Kinder werden auf einmal sehr aggressiv, oder aber vormals aktive Kinder werden auf einmal sehr zurückhaltend. Diesen Verhaltensauffälligkeiten sollte man unbedingt auf den Grund gehen.
Wer meldet denn diese Fälle dem Kinderschutzbund oder anderen Institutionen?
Schröder Meistens sind es die Erzieher oder Lehrer, aber inzwischen kommt auch ein hoher Anteil der Eltern selbst zu uns und sucht Hilfe. Dazu werden viele Familien von anderen Stellen an uns verwiesen. Zum Glück sind die Menschen heute viel aufmerksamer geworden und erkennen, dass etwas nicht stimmt und melden sich dann bei uns.
Wie gliedert sich denn die Arbeit beim Kinderschutzbund? Welche Projekte betreuen Sie?
Schröder In unseren Räumen an der Düsseldorfer Straße sind die Anlaufstelle und die Beratungsstelle "Löwenherz". Hier führen wir Therapien durch und beraten die Familien. Dazu haben wir Angebote zur Prävention in unserem Familientreff in Ratingen West. Hier gibt es zweimal in der Woche Kleinkinderkrabbelgruppen, dazu jeden Nachmittag eine offene Spielstunde. Und an der Erich-Kästner-Schule organisieren wir eine Hausaufgabenbetreuung.
Wie sehen also Ihre Prognosen für die Zukunft aus?
Schröder Ich denke, dass wir auch in Zukunft auf einem bestimmten Level bleiben werden. Die Zahlen sind ja nur deshalb so gestiegen, weil die Leute inzwischen nicht mehr alles unterm Deckel halten und vertuschen. Aus diesem Grund sehe ich auch nicht, dass wir in Zukunft einen Rücklauf haben werden.
Christiane Bours stellte die Fragen.
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