Ratingen: Kinder ohne warme Mahlzeit
VON GABRIELE HANNEN - zuletzt aktualisiert: 04.02.2012Ratingen (RP). Um das Thema "Armut – lokal und global" ging es beim Gesprächskreis Kirche und Politik. Kerstin Griese, SPD-MdB und Mitglied der EKD-Synode, hatte mit Pfarrer Matthias Leithe ins Gemeindezentrum West eingeladen.
West "Armut lokal und global" – wie kommt der Arbeitskreis Kirche und Politik dazu, Ratingen West irgendwie mit Burkina Faso unter einen Diskussionshut zu stellen? Weil Armut viele Gesichter hat, weil hier wie da spezielle Projekte erforderlich sind, Defizite auszugleichen. Wobei sicherlich der Grad der Armut nicht gleich ist.
Doch auf Einladung des Hausherrn Pfarrer Matthias Leithe von der Versöhnungskirche und der SPD-Bundestagsabgeordneten Kerstin Griese war ein ausgesprochen kundiger Kreis engagierter Bürger zusammen gekommen, um sich zu einen Thema auszutauschen und sich informieren zu lassen.
Die Teilnehmer wussten, wo geholfen werden muss, ihnen war gegenwärtig, wo es an Helfern, an Finanzen, an Verständnis fehlt. Und das tat der Diskussion gut – man musste nicht bei Adam und Eva anfangen.
So konnte denn auch Ulrich T. Christenn, Pfarrer und Mitarbeiter von "Brot für die Welt", ausführlich eine Bilanz der guten Taten seiner seit über 60 Jahren bestehenden Organisation präsentieren, vehement für fair gehandelte Produkte werben und subtil die Fragwürdigkeit des derzeitig angebotenen Biokraftstoff darlegen. Man wusste, um was es bei diesen Themen ging. In Ratingen West gebe es in einem Kindergarten Jungen und Mädchen aus 15 Nationen, berichtete Matthias Leithe und, dass das nicht immer leicht für sie und andere ist.
Der Strom ist abgestellt
Es gebe Kinder, die über Wochen keine warme Mahlzeit bekommen, weil bei ihnen zu Hause der Strom abgesperrt sei. Es gebe alte Leute, die sehr wohl berechtigt wären, Nahrungsmittel von der "Tafel" zu bekommen – die aber nicht in die Stadtmitte kommen könnten, weil sie nicht gut zu Fuß seien und kein Geld für den Bus hätten.
Es zeige sich auch, dass die örtliche Unterstützung meist nicht infrage gestellt wird. Wenn aber finanzielle Hilfe von Land, Bund oder Europa erwartet, erbeten, ersehnt werde, werde es schon schwächer. Wo es möglich sei, versprach Kerstin Griese zu helfen. Als Pastorentochter, kirchliche Mitarbeiterin und Kennerin politischer Zusammenhänge bringt die Historikerin alle Parteien zusammen.
Die Versöhnungskirche mit all ihren Mitarbeitern, mit freiwilligen Unterstützern und diskreter Behandlung wirklich heikler Situationen – wer mag schon zugeben, dass es an so vielem fehlt? – leistet die Arbeit im Kleinen, die im Großen "Brot für die Welt" heißt. Und beim nächsten Treffen soll es auch fair gehandelte Kekse geben.
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