Ratingen: Klar fürs nächste Gewitter
VON JOACHIM PREUSS - zuletzt aktualisiert: 17.07.2010Düsseldorf (RPO). Bei drohenden Gewitterstürmen ist die Feuerwehr Ratingen längst einsatzbereit, noch bevor das erste Blatt gefallen ist. In der Zentrale wird jede Wolke auf einem Regenradar genau beobachtet.
Der Gewittersturm am Mittwochabend ließ Ratingen "links liegen": Die Böenwalze richtete kaum Schaden an. Wie immer bei solchen Unwettern stand fast die komplette Feuerwehr lange vor dem ersten Regentropfen bereit, um zu helfen. Torsten Schams, stellvertretender Amtsleiter, erklärte die generalstabsmäßige Vorbereitung, die bei solchen Wetterlagen routinemäßig in der Feuer- und Rettungswache abläuft – der Bürger bekommt davon gewöhnlich nichts mit.
Wie schon am Montag hatte der Deutsche Wetterdienst (DWD) frühzeitig vor der Gewitterfront gewarnt. In der Einsatzzentrale, so Schams, werde ohnehin ständig das Wetter beobachtet: Man sei ans Feuerwehrinformationssystem (kurz Fewis) des DWD angeschlossen. Auf dem Bildschirm können die Beamten Gewitterzellen nicht nur live über das Regenradar verfolgen. "Wir bekommen zusätzlich Infos über Geschwindigkeit der Gewitterzellen und ob zum Beispiel mit Hagel zu rechnen ist.
Auch die möglichen Regenmengen können wir sehen", sagte Schams. Aus den Daten könne man eine genaue Prognose für die Stadt erstellen. Zusätzlich bekomme die Leitstelle vom DWD ein Alarmfax. Das war schon am Mittwochmorgen der Fall: Alarmstufe "rot" beim DWD, Alarmstufe eins und damit Chefsache am Voisweg.
Die vielen Einzelheiten regelt der "Gefahrenabwehrplan für Flächenereignisse", wie es im Amtsdeutsch heißt. Zunächst wird ein Lagedienstführer bestimmt, der zunächst das Wetter beobachtet, wie Jan-Hendrik Neumann am Mittwochabend. Schnell war klar: Das dicke rote Ding, das auf dem Bildschirm unaufhaltsam in Richtung Ratingen kroch, ließ nicht Gutes erahnen.
Die Führungsgruppe sowie der Informations- und Kommunikationszug richtete sich in der Hauptwache ein, alle fünf Melderplätze wurden besetzt, fast alle Löschzüge alarmiert. Noch "bevor ein Blatt gefallen war", standen 101 Kräfte bereit, so der Einsatzleiter. Ehrenamtliche und Berufswehrleute arbeiten auch im Krisenstab Hand in Hand: "Es gibt da keine Unterschiede. Das ist eine ganz tolle Kooperation", sagte Schams.
Dabei sind viele, die als Freiwillige erscheinen, auch im Hauptberuf Feuerwehrmann: In Ratingen liegt diese Quote bei immerhin etwa 50 Prozent. Klare Sache: Solche Einsätze gelten dann auch nicht als Überstunden. Die Abläufe im Führungsstab, der nur aus Verbandsführern (Beamte, die mehrere Löschzüge leiten können) besteht, sind genau geregelt. Er bekommt per E-Mail zum Beispiel die Meldungen, die in der Zentrale eingehen.
Schams: "Heißt es beispielsweise ,Baum auf Auto mit Person' hat das oberste Priorität." Grundsätzlich schaue man sich alle gemeldeten Schäden an: In etwa 90 Prozent der Fälle werde man dann auch tätig. Wenn jedoch, wie seinerzeit bei Kyrill, pro Stunde 100 Meldungen eingingen, könnten die Einsätze nicht immer "zeitnah" abgearbeitet werden, warb Schams um Verständnis, wenn es mal Wartezeiten geben sollte.
Die gab es mangels Einsätzen am Mittwochabend nicht. Als die Wolke auch vom Radar verschwunden war, konnte der Krisenstab Feierabend machen. Dessen Wetter-Einsätze nähmen deutlich zu, so Schams zum Thema Klimawandel.
Nicht immer ist ein umgestürzter Baum im privaten Garten ein Fall für die Wehr: "Wenn keine Gefahr von ihm ausgeht, er also beispielsweise nicht auf einem Haus liegt, dürfe wir nicht tätig werden." Das sei dann Sache von privaten Unternehmen.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum