Ratingen: Kritiker mit Witz und Charme
VON SANDRA PERSKI - zuletzt aktualisiert: 18.02.2009Düsseldorf (RPO). Anlässlich des 500. Geburtstages des Reformators Johannes Calvin bewies die evangelische Kirchengemeinde Humor und lud den Kabarettisten Okko Herlyn mit seinem Programm "Johnny, wenn du Geburtstag hast" ein.
Mitte Wie passen Religionsgeschichte und gläubige Gemeindemitglieder mit Humor, Kritik und einer großer Portion Ironie zusammen?
Okko Herlyn brachte in seinem Programm "Johnny, wenn du Geburtstag hast" alles unter einen Hut. Der Kleinkünstler hatte sich anlässlich des Calvin-Jahres zum 500. Geburtstag des Reformators mit dem Thema Reformation und Johannes Calvin auseinandergesetzt und überzeugte das Publikum im Haus am Turm mit viel Humor und so mancher Kritik.
Und Herlyn weiß, wovon er spricht. Als Sohn eines Pastors aufgewachsen, später in Wuppertal selbst Pfarrer in einer evangelischen Kirchengemeinde, hat der heutige Theologieprofessor so manche Anekdote aus dem Leben in einer Kirchengemeinde zu erzählen. Mit Anekdoten rund um Johannes Calvin schaffte es der begabte Kleinkünstler, Werk und Leben des bekannten Reformators in die Gegenwart zu transportieren. Herlyn machte sich unter anderem Gedanken über die Anwendbarkeit von Calvins reformatorischen Lehren, womit er auf die heutige Gesellschaft zu sprechen kam. Dankbarkeit und Demut seien heute aus der Mode gekommen, kritisierte Herlyn: "Wir leben heute in einer verschwenderischen Gesellschaft." Herlyn parodierte die evangelische Kirchengemeinde als eine Art Spaß-Fraktion, bei der alles Mögliche im Vordergrund steht – bis auf die naheliegenden Tätigkeiten wie Gottesdienste abhalten, Predigen oder im Kirchenchor auch tatsächlich Singen. Da, sagt er, müsse heutzutage die Predigt schon einmal ausfallen, wenn der Frauenverein der Gemeinde Waffeln für alle gebacken hat.
Zwischendurch gab es im Programm des Kabarettisten zwar einige wenige Längen, bei denen man fast krampfhaft auf die Pointe wartete. Das verzieh man dem talentierten Kleinkünstler aber, weil die Pointen wirklich ausnahmelos folgten. Mit rheinischem Charme verpackte der ehemalige Pfarrer so manches Klischee und stieß damit bei den Gästen auf offene Ohren.
Weil hauptsächlich Gemeindemitglieder bei der Kabarettveranstaltung waren, fühlte sich manch einer ertappt, was zu vielen gemeinsamen Lachern führte.
Auch musikalisch überraschte der mehrfach ausgezeichnete Kleinkünstler als talentierter Liedermacher und peppte seine Programmpunkte mit Liedern auf, bei denen er sich selbst am Keyboard begleitete. Auch hier fehlten weder Witz noch das eine oder andere kritische Wort, und natürlich war auch hier die Gemeinde und ihre vielen gemeinsamen Aktivitäten wieder ein Thema. "Wir backen Plätzchen, machen Fahrten, spielen auch mal Karten – manchmal singen wir sogar!", parodierte er den Tatendrang des Kirchenchors.
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