Ratingen: Kündigungen sind möglich
VON JULIA HAGENACKER - zuletzt aktualisiert: 13.01.2009Düsseldorf (RPO). Aus Kostengründen soll den Patienten des Klinikums Niederberg das Essen künftig von einem externen Anbieter serviert werden. Die Krankenhaus-Küche wird zum Teil geschlossen. Gestern wurden die Mitarbeiter informiert.
Umstellung
Die europaweite Ausschreibung wird Anfang Februar eingeleitet. Vollständig umgestellt sein soll die Speiseversorgung frühestens im vierten Quartal 2009, spätestens im ersten Quartal 2010.
Niederberg Zwei Scheiben Brot mit Körnern, Margarine, ein bisschen Wurst, ein kleines Stück Käse und Früchtetee – das klassische Krankenhaus-Frühstück wird den Patienten des Klinikums Niederberg spätestens vom kommenden Jahr an nicht mehr aus der krankenhauseigenen Küche, sondern von einem externen Anbieter serviert. Aus Kostengründen hatte der Aufsichtsrat im Mai 2008 beschlossen, die Küchenleistung fremd zu vergeben. Die „Gastronomie“ im Klinikum wird zum Teil geschlossen. Gestern wurden die Mitarbeiter in einer Teilbetriebsversammlung darüber informiert.
Betroffen sind im tariflichen Bereich insgesamt rund 16 Vollzeitstellen, die sich auf 19 Mitarbeiter verteilen. Dazu kommen 27 Mitarbeiter aus der Personalüberlassung (circa zwölf Vollzeitstellen) und 39 aus der Dienstleistungsgesellschaft. Geschäftsführung und Betriebsrat erarbeiten derzeit einen Interessenausgleich und einen Sozialplan. Wie schon im vergangenen Sommer bei den Mitarbeitern des technischen Dienstes werde nach individuellen Lösungen gesucht, heißt es. Abgesehen von einem einzigen Fall konnten seinerzeit betriebsbedingte Kündigungen verhindert werden. Man werde versuchen, möglichst viele Mitarbeiter innerhalb des eigenen Hauses oder bei Kooperationspartnern unterzubringen, sagte gestern Klinik-Sprecher Stefan Mülders. Geschäftsführung und Betriebsrat seien sich ihrer Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern bewusst und zögen deshalb an einem Strang.
Dass es vielen deutschen Krankenhäusern schlecht geht, ist schon lange kein Geheimnis mehr. Vor allem die kommunalen Kliniken leiden unter akuter Finanznot. Diagnose: Existenzgefahr. Erst im vergangenen Jahr wurde das städtische Klinikum in Krefeld von einem privaten Anbieter übernommen und auch in Dortmund wird seit 2008 nach massiven Verlusten über entsprechende Optionen nachgedacht. Das Zentralklinikum Augsburg erwartet in 2009 einen Verlust von rund 30 Millionen Euro, im Nürnberger Klinikum stellt man für 2010 das Fortbestehen der Existenz in Frage.
Sanierungsplan
Auch am Klinikum Niederberg sind die gesundheitspolitischen Entwicklungen nicht spurlos vorbeigegangen. In der vorübergehenden Insolvenzphase 2006/2007 wurde mit einem Sanierungsplan, der als größtes Projekt die Veränderungen in der Küchenleistun mit einem Gesamtpotenzial von rund einer Million Euro vorsieht, darauf reagiert.
Eine Investition für die Modernisierung der bestehenden Küchenräumlichkeiten wäre mit 2,4 Millionen teuer zu Buche geschlagen und hätte den ohnehin schon hohen Beköstigungstagespreis (BKT) am Klinikum von rund 20 Euro auf circa 27,50 Euro ansteigen lassen, heißt es. Die Küche, und damit in der Folge auch das Klinikum Niederberg, wären mit dieser Kostenstruktur pro Patient und Tag nicht weiter konkurrenzfähig gewesen.
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