Ratingen: Kunststücke zum Mitnehmen
VON JULIA HAGENACKER - zuletzt aktualisiert: 09.07.2008Düsseldorf (RPO). Im Museum wird es bald Taschen aus alten Ausstellungs-Plakaten zu kaufen geben. Eine Schneiderin fertigt die künstlerisch wertvollen Plastik-Unikate. Damit ist der „Ratinger Kulturbeutel“ ein echter Marketing-Gag.
Nur ein Beispiel: Mal angenommen, man ist Schütze. Oder man kennt jemanden, der Schütze ist – oder vielleicht einfach nur ein Faible fürs Brauchtum hat. Jedenfalls, so jemandem wäre die aktuelle Ausstellung „In Treue fest – 575 Jahre St. Sebastiani-Bruderschaft Ratingen“ ganz sicher einen Besuch im Museum der Stadt Ratingen wert. Und so jemand, kann man sich vorstellen, würde als Erinnerung bestimmt auch ein kleines Souvenir haben wollen. Ein Stück des Schützenausstellungs-Plakats zum Beispiel, das den heiligen St. Sebastianus zeigt. Vielleicht ein Stück vom Bauch des Schutzpatrons? In Form einer Tasche, oder besser: in Form eines Beutels – eines „Ratinger Kulturbeutels“, ganz wörtlich genommen?
Das ist jetzt kein Scherz. Gleich nach den Sommerferien, pünktlich zur Ratinger Museumsnacht, soll es das „Handgepäck“ aus ausgedienten Plakaten für kleines Geld zu kaufen geben. Museums-Kurator Klaus Thelen kam die Idee irgendwann nebenbei. „Der Begriff ,Kulturbeutel’“, sagt er, „spukte mir schon länger im Kopf herum. Ursprünglich war er als Bezeichnung für Tüten aus dem Museumsshop gedacht.“ Der gedankliche Schritt von Tüten zu Taschen war da nicht mehr weit. Und der Stoff, aus dem der Traum war, der hing ja quasi an der Außenwand. 4,70 Meter lang und 1,77 Meter breit sind die riesigen Transparente aus festem, planenartigem Kunststoff, die meist bunt und bildgewaltig zu jeder neuen Ausstellung ins Haus an der Grabenstraße einladen. „Bisher“, sagt Thelen, „wurden die Plakate an andere Museen weiterverkauft, die die jeweilige Ausstellung übernahmen.“ Jetzt sollen sie als „Ratinger Kulturbeutel“ die Präsenz des Museums in Ratingen stärken.
Eine Schneiderin aus Hessen, die sich auf Taschen aus robustem Jeansstoff spezialisiert hat, fertigt die Dumeklemmer-Kunststücke in drei verschiedenen Formen: als DIN A 4 große Einkaufstaschen mit langen Henkeln, als klassischen Kulturbeutel mit Reißverschluss und als kleines Federmäppchen.
„Abgesehen davon, dass alle Stücke ein deutlich sichtbares ,Ratinger Kulturbeutel’-Logo tragen werden, sind alle Taschen Unikate“, betont Thelen. „Schließlich gibt es jedes Plakat nur einmal. Eine Plane reicht für etwa 15 stabile, wasserdichte Beutel. Im Inneren wird jeder mit dem Namen und dem Datum der Ausstellung versehen.“ Das macht das Angebot exklusiv. Verkauft werden sollen die trendigen Accessoires für maximal zehn Euro.
Klaus Thelen sagt: „Mehr gibt man für so eine Sache wahrscheinlich nicht aus.“ Die Rechnung gehe unterm Strich aber trotzdem auf. In der Herstellung koste eine Tasche, je nach Form und Größe, etwa drei bis vier Euro. „Bei der Entwicklung der Idee war uns wichtig, dass unterm Strich eine Null stehen bleibt.“ Man wolle keine großen Geschäfte machen. Die Geschichte sei eher ein Marketing-Gag.
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