Ratingen: "Lasst die Kunst im Trinsenturm"
zuletzt aktualisiert: 02.02.2012Ratingen (RP). Der Trinsenturm soll Kunstturm bleiben – darauf hoffen die rund 30 freien Ratinger Künstler, die gestern vor dem historischen Bauwerk am Wehrgang noch einmal Flagge zeigten. Viele von ihnen, darunter Pauline Kugler und das Fotografenpaar Werner und Jutta Köhler, haben bereits dort ausgestellt und wollen es auch künftig wieder tun, solo oder im Verbund mit anderen wie beispielsweise den Westkünstlern, die sich gestern ebenfalls vor dem Turm versammelten.
Ihre Terminvorschläge blieben aber bislang ohne Echo, denn die Stadt will den schmalen Turm zum Museum für die Puppen- und Spielzeugsammlung des Stadtmuseums machen, wofür sich jüngst auch die mitgliederstärksten Fraktionen (CDU und Bürger Union) im Kulturausschuss aussprachen (RP berichtete). SPD, Grüne, FDP und Linke wollen, dass der Turm Ausstellungsort bleibt, wofür er mit Galerieleisten und -lichtern auch perfekt ausgestattet ist.
Was die Künstler am meisten ärgert: Die Stadt will das Puppenmuseum einrichten, ohne ihnen eine sichere Ausstellungsalternative anbieten zu können. Das Medienzentrum ist nach Ansicht der Künstler für Ausstellungen nicht geeignet, weil es dort keinen neutralen Raum für Bilder und Skulpturen gibt. "Kulturförderung gehört zu den Aufgaben einer Kommune", sagen die Künstler und verweisen auf andere Städte im Kreis, beispielsweise Mettmann und Hilden, die eigene Künstlerhäuser haben, die sie für Ausstellungszwecke zur Verfügung stellen.
Ratingen komme im Vergleich herzlich schlecht weg und könne nichts dergleichen aufweisen – nur den Trinsenturm, in dem bisher wechselnde freie Künstler gegen Gebühr und seit über 25 Jahren der mittlerweile aufgelöste Verein Galerie Kunstturm im Trinsenturm ausstellten. Immer wieder wären Besucher überrascht gewesen, dass man dort überhaupt als freier Künstler ausstellen könne. Die Stadt habe für diese Möglichkeit eben keine Werbung gemacht, etwa in Form von Pressemitteilungen – und jetzt sollen unter anderem zu wenige Ausstellungen im Turm ein Argument dafür sein, die Puppen dauerhaft im Turm zu installieren.
"Wir haben nichts gegen die Puppen, auch sie könnten dort gezeigt werden, aber wir wünschen uns einen Kompromiss, der auf weiterhin wechselnde Ausstellungen hinausläuft", betonen die Künstler. Sie bezweifeln zudem, dass der Turm ohne Klimatisierung und Lüftung – abgesehen von seiner kleinen Grundfläche – überhaupt für ein Puppenmuseum, das ohne Vitrinen kaum auskommt, geeignet ist. Die Stadt hat dafür noch keine detaillierten Pläne vorgelegt.
Margret Grzesik, Trinsenturm-Besucherin und ehemalige Lehrerin, meint, dass das schmale Treppenhaus im Turm ohnehin für Kinder viel zu gefährlich sei. Die Künstler wollen sich nun noch einmal an die Befürworter des Puppenmuseums im Kulturausschuss wenden – um für ihre Anliegen zu werben und Gespräche anzubieten, weil sie viele Ideen für neue Ausstellungen haben. Am kommenden Sonntag, 5. Februar, öffnet Anja Sonneson, die derzeit noch "bewegte Malerei" im Trinsenturm zeigt, ihre Ausstellung von 11.
30 bis 15 Uhr zum letzten Mal. Es gibt um 12 Uhr einen kurzen Vortrag, außerdem Kekse und Wein. "Wer weiß, vielleicht ist es ja das letzte Event dieser Art im Turm", bedauert Sonneson – also nix wie hin und Flagge zeigen.
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