Hösel: Lauter Liebeserklärungen
VON EVA STANNIGEL - zuletzt aktualisiert: 23.10.2007Düsseldorf (RPO). Der Ratinger Kammerchor widmete sich den Werken Brahms’ und Elgars in einer außergewöhnlichen musikalischen Zusammenstellung. Ein Genuss für das begeisterte Publikum.
Der Komponist
Edward Elgar (1857-1934) wuchs mit der Musik auf und erlernte verschiedene Instrumente. Er spielte in mehreren Ensembles, wurde Konzertmeister in Worcester und trat 1885 die Nachfolge seines Vaters als Organist an. 1889 heiratete er seine Musikschülerin Caroline Alice Roberts, die ihn bestärkte, sich völlig dem Komponieren zu widmen. Zu den bekanntesten Werken Elgars zählt der „Pomp and Circumstance March No. 1“, aus dem die britische Hymne „Land of Hope and Glory“ stammt.
Eine aparte Mischung war es, die das Konzert des Ratinger Kammerchores am Sonntag zu einem ganz besonderen musikalischen Ereignis machte: Nicht nur der bekannte Zyklus „Liebeslieder op. 52“ von Johannes Brahms wurde aufgeführt, sondern auch die interessante Sicht eines Engländers auf Bayern in Form von Edward Elgars „From the Bavarian Highlands“.
Zur Einstimmung gab es vor den Werken je eine literarische Einführung. Reinhard Pede las vor den Liebesliedern die „Erinnerungen an Johannes Brahms aus dem Kreis seiner rheinischen Freunde“ vor, ein Text von Gustav Ophüls, der von einem persönlichen Treffen mit dem Komponisten berichtet und dem Leser nebenher vermittelt, dass Brahms meistens Jägerhemden trug, eine Vorliebe für weiße Kragen besaß und ein recht launischer Zeitgenosse war. Mal traumverloren, mal Behaglichkeit verbreitend, dann wieder unglaublich missgelaunt soll der Musiker gewesen sein.
Verschiedene Stimmungen wurden dann auch in den einzelnen Liedern des Zyklus’ thematisiert und vom Ratinger Kammerchor mit viel Gefühl umgesetzt. Die romantischen Klänge und Kadenzen spiegelten sich im Text der Werke wieder, etwa bei „Am Gesteine rauscht die Flut“, „Die grüne Hopfenranke“ oder „Am Donaustrande“. Unter Leitung von Dominikus Burghardt zeigten die Sänger hohe Präzision bei den unterschiedlichen Einsätzen der Stimmen und rissen das Publikum durch ihre facettenreiche Interpretation der Stücke mit. Auch solistische Passagen der einzelnen Stimmen klangen einwandfrei.
Ohne Pause ging es dann zum Höhepunkt des Abends, dem bayerischen Hochland, musikalisch umgesetzt durch den englischen Komponisten Edward Elgar. Diesen hatte die deutsche Landschaft während eines Urlaubs mit seiner Frau so inspiriert, dass daraus sechs kleine Stücke für gemischten Chor und Klavier entstanden. Mit viel Eifer startete der Chor mit „The Dance“ und setzte die Volksfeststimmung des Stückes auch mit lachenden Gesichtern und Spaß am Singen um. Klagende Klänge folgten in „False Love“, wobei der lyrische Charakter des Textes umso deutlicher wurde. Bei dem langsamen Walzer „Lullaby“ erzeugte der Chor einen sehr intensiven Klang, insbesondere durch tiefe und eindringliche Basstöne. „Aspiration“ und das programmatische Stück „On the Alm“ beeindruckten durch viel Gefühl und gesangliches Niveau.
Einen fulminanten Abschluss fand das Werk Elgars mit „The Marksmen“, den Schützen. Passend zum Inhalt wurde das Marschieren lautmalerisch durch Staccato-Passagen, schnelle Läufe und Dynamik umgesetzt. Das Publikum war begeistert und spendete nach dem unglaublich lauten und triumphalen Dur-Schlussakkord so lange Beifall, bis der Chor es als Zugabe noch einmal sang. Die gewagte Mischung war gelungen.
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