Heiligenhaus: Lust auf Genuss
VON RUTH ORTLINGHAUS - zuletzt aktualisiert: 26.03.2007Düsseldorf (RPO). Eine literarische Weinlese samt kulinarischer Kostproben lockte am Wochenende viele Besucher in das Museum Abtsküche. Stefan Schmitzer und Stefan Werdelis eröffneten so manche Weisheit rund um den edlen Tropfen.
Geistreich, humorvoll, inspirativ – einfach grandios war der Auftakt zum Wein- und Käsemarkt im Museum Abtsküche. Die beiden als „Anthologen“ bekannten Stefan Schmitzer und Stefan Werdelis kredenzten eine „literarische Weinlese“, die in der druckreifen Auswahl und Rezitation der Texte süchtig machte und Maßstäbe setzte. Da standen das Heer der Musen und Weingott Bacchus selbst Pate. Gleich den unterschiedlichen Blumen des geliebten Rebensaftes wurde der Abend zur Leichtigkeit des Seins, der aber tiefgründiger, doppelbödiger, symbolträchtiger, trefflicher, witziger und spritziger nicht hätte sein können. Für das Duo aus der Pfalz bedeutet Literatur „Über-Lebens-Mittel“ aber auch immer aufs Neue eine literarisch-kulinarische Weltreise durch 2000 Jahre Literatur. Wie in den Salons vergangener Jahrhunderte wollen sie Freude, Spaß und Genuss an der Schönheit der Sprache wecken. Und das gelang ihnen vortrefflich.
Lange Geschichte
Kredenzt wurden nur Elsässer Weine. Durch die Römer ins Land gebracht, geht ihre Geschichte bis ins erste Jahrhundert vor Christi zurück. Im Mittelalter zählten sie zu den beliebtesten und teuersten Weinen, schmückten alle fürstlichen Tafeln Europas. Der 30-jährige Krieg ruinierte das Elsass, erst zu Beginn der 20er Jahre des vorigen Jahrhunderts blühte der Weinbau wieder auf.
Die edlen Tropfen perlten in den Gläsern und Elke Heidenreichs Worte „Weinlesen macht nicht betrunkener als Büchertrinken belesener macht“ und Brittings Zitat „Im Wein verbirgt sich viel, Schwermut, Lust und Spiel“ galten als Einführung – natürlich mit einem kräftigen Prosit. „Denn – das Essen, nicht das Trinken brachte uns ums Paradies. Wenn Adam unseren Wein besessen, hätt‘ er den Apfel nicht gegessen.“
Zitate, Gedichte, Anekdoten (Elsässer schwelgt „Unser Wein ist Saft aus Gottes Tränen“ – Schwabe seufzt „O Gott, warum hast du bei uns nicht geweint“), Geschichten und Verse aus der Bibel (...der Wein erfreue des Menschen Herz), von Historikern, Literaten wie Goethe, Lessing, Benn, Gernhardt und vielen anderen, fügten sich gleich einem höchst amüsanten literarischen Kanon innerhalb der Literatur zur hochkarätigen Wein-Kulturgeschichte. Strukturiert und thematisiert in fünf Weinfässern vom Allgemeinen über erste Trinkerlebnisse, -ergebnisse, verglichen mit Archetypen, den vier Temperamenten, bis zu Liebesergüssen. „Ohne Wein und ohne Weiber, hol‘ der Teufel unsre Leiber“, wusste schon Goethe. Aber „Wer seinen Durst mit Achteln labt, fang lieber gar nicht an“, bedenket der von „Gott gegebenen Schluckkapazität“. Tierisch kann er sein der Wein: „Nach der ersten Flasche ein Lamm, der zweiten ein Affe, der dritten ein Löwe, der vierten ein Schwein“, „dass daraus kein Ungeheuer wachs, diesen Rat gibt euch Hans Sachs.“
Die Anthologen merkten mit letztem Prosit an: „Trinken ist ein Laster, ist das klar Herr Paster?“. „Jawohl Herr Kardinal – dasselbe bitte noch einmal.“ Der Aufforderung folgten alle – zu verführerisch perlten die edlen Tropfen in den Gläsern.
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