Ratingen: Manege frei für Literatur
VON SANDRA PERSKI - zuletzt aktualisiert: 23.09.2008Düsseldorf (RPO). Unter dem Titel „Salto Wortale“ haben die 29 Autoren des Literaturkreises ERA eine neue Anthologie herausgebracht. Bei der Kulturkneipe im Lux präsentierten sie das neue Werk als eine literarische Zirkusvorstellung.
Bei der vergangenen „Kulturkneipe“ am Wochenende präsentierte der Literaturkreis ERA eine neue Anthologie unter dem Titel „Salto Wortale“. Mehr als 120 Literaten und Interessierte waren gekommen, um bei dem Ereignis dabei zu sein.
Der Literaturkreis bringt alle zwei Jahre eine neue Anthologie heraus. In diesem Jahr war es wieder soweit. Passend zu dem Titel des Gemeinschaftswerkes von 29 Autoren, bot sich dem Publikum ein aufwendiges liebevoll chaotisch gestaltetes Bühnenbild, das wie eine Mischung aus einem Wohnzimmer und einer Zirkusmanege wirkte. Stefanie Philipp, Karin Schrey, Wolfgang Huber und Lucien Deprijck lasen stellvertretend Ausschnitte aus der Anthologie. Schon zu Beginn machten die Autoren die Intention der Lesung deutlich: „Das ist ein Stück im Rhythmus des Lebens; Regie führt das Schicksal.“
„Brandzeichen“
Am Sonntag, 19. Oktober, 16 Uhr, findet im Lux, Turmstraße 5, die nächste Kulturkneipe statt. Der Autor Günter Nuth präsentiert Prosa und Lyrik unter dem Titel „Brandzeichen“.
Nuth ist Einsatzleiter bei der Berufsfeuerwehr in Düsseldorf und verarbeitet in seinen Texten unter anderem berufliche Erlebnisse. Der Eintritt ist wie immer frei. Weitere Informationen unter www.literaturkreis-era.de.
Tatsächlich ging ein roter Faden durch die sehr unterschiedlichen Beiträge: Lyrik und Prosa behandelten immer menschliche Schicksale, Szenen aus dem Alltag oder Erinnerungen. Programmatisch waren, trotz sehr abwechslungsreicher Erzählstile und Perspektivwechsel, die Innensicht und die Gefühlswelt von verschiedenen Personen. So verschmolzen die bruchstückhaften Ausschnitte aus einem Leben zu einem Werk über das Leben und denn Lebenssinn.
Tiefsinn, Witz, Sarkasmus
Die Geschichten waren tiefsinnig, witzig, morbide, sarkastisch. Kaum eine Erzählform oder eine Intention fehlte bi diesem bunten Strauß an Literatur. Thematisiert wurden unter anderem klischeehafte Szenen einer Ehe morgens am Frühstückstisch, Szenen aus einem Krieg, Familiendialoge und Liebeserklärungen.
Auch die Bedeutung von Wörtern wurde in einer Geschichte auf das Korn genommen: Der Begriff „Bankgeheimnis“ führt zu einem komödiantischen Missverständnis bei einem Hobby-Detektiv („Seit wann haben Banken Geheimnisse?“), das letztendlich auf einer Polizeiwache endet.
Es gibt nichts, was es nicht gibt, hätte das Motto der sehr gelungenen Veranstaltung im Rahmen der Kulturkneipe auch lauten können. Die dargebotene Inszenierung, bei der die Vorsitzende des Literaturkreises Barbara Ming Regie geführt hatte, machte ihrem Namen „Salto Wortale“ alle Ehre.
Vergangenheit, Zukunft, Träume
Vergangenheit, Zukunft, Träume, Beobachtungen: kein Thema und Gefühl kam bei dem literarischen Ereignis zu kurz. „Geschichten liegen auf der Straße“, so Wolfgang Huber. Musikalisch unterstützt wurden die Autoren von Christian Jeup am Klavier und Christoph Münchert am Schlagzeug, die mit flotter Musik aus den 30er Jahren für richtige Zirkusatmosphäre sorgten.
Ein weiterer Höhepunkt der Veranstaltung war der Auftritt von Mareike Beicht als Clown. Die Ratingerin hatte vor einigen Monaten die Clownschule absolviert.
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