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Ratingen: Menschen eine Zukunft bieten

zuletzt aktualisiert: 19.07.2010

Düsseldorf (RPO). Montags-interview mit Volker Bollig, der in Uganda den Bau einer Schule unterstützt. Die Schule wird auf einem Grundstück in Entebbe errichtet, das von der Kirche zur Verfügung gestellt wurde.

Volker Bollig war unter anderem schon für die Organisation "Ärzte ohne Grenzen" tätig. Foto: RPO

Herr Bollig, Sie setzen sich für den Bau einer weiterführenden Schule in Uganda ein und suchen Menschen, die dieses Projekt unterstützen. Warum ausgerechnet dieses Projekt?

Bollig Weil es ein ganz kleines Projekt einer Initiative vor Ort ist und eben keines der großen Organisationen. Es richtet sich an Kinder und Jugendliche, die sonst keine Chance auf eine Ausbildung hätten.

Also wollen Sie eine Ausbildung für eine bessere Zukunft bieten?

Bollig Genau. 40 Prozent der Bevölkerung in Uganda haben keine Chancen, auf eine weiterführende Schule zu gehen, weil ihnen die finanziellen Möglichkeiten fehlen. Dabei darf man aber nicht vergessen, dass die Hälfte der Bevölkerung Ugandas jünger als 15 Jahre ist. Durchschnittlich kommen auf eine Frau sechs Kinder. Und all diese Menschen werden bald auf Arbeitssuche sein. Und dazu brauchen sie eine Ausbildung.

Info

Zur Person

Volker Bollig ist freier Architekt und kommt aus Ratingen. Nach der Schule hat er ein freiwilliges Jahr in Chile absolviert. Nach Uganda kam er, als er für Ärzte ohne Grenzen ein Jahr lang dort beim Bau eines Krankenhauses arbeitete. Damals entstand der Kontakt zum German Secondary School Projekt, seitdem entwirft er Baupläne und ist Bauleiter bei den Projekten. Weitere Informationen gibt es unter www.germanschool-Uganda.com.

Wie sieht denn generell die Situation in Uganda aus? Die meisten von uns erinnern sich an das Land nur im Zusammenhang mit Krieg.

Bollig Das stimmt. In Uganda herrschte lange Bürgerkrieg. Doch dieser ist inzwischen vorbei. Seit einiger Zeit erleben wir in Uganda einen Wirtschaftsaufschwung und genau deshalb sind Erziehung und die Schule so wichtig, denn die Wirtschaft braucht gut ausgebildete und qualifizierte Arbeitskräfte. Und es sind doch die jungen Menschen in Uganda, die von einem Wirtschaftsaufschwung profitieren sollten. Alleine schon, um den sozialen Frieden aufrecht zu erhalten.

Wer ist denn genau verantwortlich für das Schulprojekt, an dem Sie mitarbeiten?

Bollig Die Organisation heißt "Learn Plus Foundation" und ist eine sogenannte staatlich anerkannte NGO (Nicht-Regierungs-Organisation). Der Grundstein zu dem Projekt wurde von zwei jungen Deutschen gelegt, die vor zwei Jahren den deutschen Partnerverein "German Secondary School Uganda" gründeten. In der Schule ist – als besonderes Merkmal im englischsprachigen Uganda – das Erlernen der deutschen Sprache ein Schwerpunkt. Da gerade deutsche Firmen viel in Ostafrika arbeiten und investieren, ergibt sich so eine interessante Zusatzqualifizierung auf dem späteren Arbeitsmarkt.

Helfer aus Deutschland packen mit an. Foto: RPO

Wie ist die Schule aufgebaut?

Bollig Die Schule wird auf einem Grundstück in Entebbe errichtet, das von der Kirche zur Verfügung gestellt wurde. Entebbe beherbergt den einzigen internationalen Flughafen des Landes. Etwa die Hälfte der 180 Schüler können die Schulgebühren selber aufbringen, für sechs Monate 150 Euro. Viel Geld, wenn man bedenkt, dass das durchschnittliche Monatseinkommen in Uganda darunter liegt. Die andere Hälfte der Schüler bekommt ein Stipendium, etwa weil die Familien arm oder die Kinder Waisen sind. Ich bin jedenfalls absolut überzeugt von diesem Projekt, da sich die Schule mit diesem wirtschaftlichen Modell selbst erhalten kann, später nicht mehr auf Hilfe von außerhalb angewiesen sein wird und trotzdem ein Teil der Einnahmen für soziales Engagement verwendet wird.

Sie selbst haben dieses Projekt tatkräftig unterstützt.

Bollig Ja, ich habe den Entwurf für die Schule gezeichnet und leitete bisher ehrenamtlich die Bauarbeiten. Der Partnerverein aus Rostock hat 6000 Euro für das Fundament gespendet. Insgesamt brauchen wir für den Bau noch 9000 Euro, um die erste Phase abzuschließen. In dieser ersten Phase werden wir erst einmal zwei Klassenräume, das Lehrerzimmer und die Toiletten fertig bauen, damit der Unterricht schon beginnen kann und wir keine Zeit verlieren. Insgesamt soll die Schule einmal sechs Klassen haben. Außerdem habe ich bei dem Entwurf sehr auf die örtlichen Gegebenheiten geachtet. So sind zum Beispiel einige Wände aus dem örtlichen Lehm erstellt. Das ist nicht nur kostengünstig, sondern auch gut für das Raumklima und wirkt als natürlicher Lärmschutz. Aber auch die Ziegel werden vor Ort gebrannt. Für den Bau rekrutieren wir ausschließlich lokale Arbeiter und lernen sie an. So haben nicht nur die Kinder etwas vom Bau der Schule, sondern auch die Erwachsenen, die Arbeit beim Bau finden.

Es gibt unzählige Hilfsprojekte der verschiedensten Organisationen. Was unterscheidet dieses von anderen?

Bollig Ich finde, die meisten Projekte machen wenig Sinn, weil oft alles zusammenbricht, wenn die Helfer wieder weg sind. Besser finde ich Projekte, die sich für die Erziehung und Bildung der Menschen einsetzen. Mit Patenschaftsprogrammen wird sehr gute Arbeit geleistet. Meiner Meinung nach sind Patenschaften, die es jungen Menschen in Afrika ermöglichen, eine Schulausbildung zu absolvieren, mit die bestangelegte Hilfe zur Selbsthilfe und tragen viel zur Völkerverständigung auf diesem "privaten" Niveau bei.

Es ist also alles auf die Zukunft ausgerichtet?

Bollig Genau, und das gleich in mehrfacher Hinsicht. So haben wir bei der Planung der Schule darauf geachtet, das Regenwasser vernünftig zu nutzen und ein gutes Raumklima in dem tropischen Klima zu garantieren. In großen Regenzisternen wird Wasser gesammelt. Außerdem reinigen wir die Abwässer noch auf dem schuleigenen Grundstück. Den Schülern erklären wir, warum wir das machen und wie wichtig diese leicht nachzuahmenden Maßnahmen auch künftig in ihren eigenen Behausungen sind. Dadurch erreichen wir immer mehr Menschen und können so dauerhaft etwas verbessern.

Aber dafür brauchen Sie Unterstützung.

Bollig Ja natürlich. Wir sind am Anfang auf Spenden für den Schulbau angewiesen. Zum Glück haben wir aber auch junge Helfer aus Deutschland, die bei dem Projekt in ihrer Freizeit tatkräftig mitarbeiten. Das sind meistens Abiturienten, die dort über das Weltwärtsprogramm der Bundesregierung eine Art soziales Jahr absolvieren. Aber auch Stiftungen wie die Umpfenbach-Friedensstiftung wollen versuchen, dieses Projekt mitzufinanzieren.

Christiane Bours stellte die Fragen.

Quelle: RP

 
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