Ratingen: "Miserable Zustände" bei Flüchtlingsbetreuung
VON CHRISTIANE BOURS - zuletzt aktualisiert: 22.03.2011Düsseldorf (RPO). Am Samstag waren Mitglieder der Flüchtlingsorganisation "Stay" in Tiefenbroich. Sie kritisieren die Unterbringung sowie mangelnde Betreuung der Flüchtlinge. In den Containern leben 36 Menschen.
Tiefenbroich Es ist ein bedrückendes Bild. Die beiden grün-grauen Blechcontainer am Rand von Tiefenbroich, die 36 Flüchtlinge aus unterschiedlichen Ländern wie Pakistan, Iran und Afghanistan beherbergen, machen schon von außen nicht den besten Eindruck. "Innen drin ist es noch viel schlimmer", sagt Oliver Ongaro von der Flüchtlingsorganisation "Stay" in Düsseldorf. Gerade die Container in Tiefenbroich sind "Stay" ein Dorn im Auge, "menschenunwürdig" nennt die Organisation die Unterbringung der Menschen in den "barackenähnlichen" Containern.
Wie das Leben der 36 Menschen, darunter auch Kinder, aussieht, die dort zum Teil seit vielen Jahren auf engstem Raum zusammenleben, beschreibt die Organisation so: Ein Zimmer ist ungefähr 15 Quadratmeter groß und muss für die ganze Familie reichen. Die Sanitäranlagen werden von allen gemeinsam genutzt, ebenso die Küche. Nicht nur in den Duschen und Waschräumen, auch in der Küche und den meisten Zimmern sind die Wände und Decken von Schimmel befallen. Durch die dünnen Blechwände ist es im Sommer oft unerträglich heiß in den Containern, im Winter muss extrem geheizt werden.
"In diesem Winter war der Wasserboiler vier Wochen lang kaputt, es gab also nicht einmal heißes Wasser", so Ongaro. Die Menschen werden vor Ort von zwei ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen der Caritas betreut, die versuchen zu helfen. Aus der Möbelkammer wurden einige Einrichtungsgegenstände besorgt, von Rock und Rolli gibt es Kleidung. Auch sonst versucht Sabine Schulz von der Caritas zu helfen, wo sie kann.
"Doch es ist sehr schwer", sagt sie. Alleine durch die Lage seien die Flüchtlinge völlig vom normalen Leben abgeschnitten. "Schon die weite Fahrt von Tiefenbroich zum Ausländeramt in Mettmann ist eine Katastrophe", so Schulz. Ähnlich ist es mit der Tafel, anderen Ämtern oder dem Weg zu einem Internetcafé, um den Kontakt mit der Außenwelt zu halten. Dazu kommt laut Schulz die Ungewissheit und Angst vor der Abschiebung, die bei vielen der Bewohner inzwischen zu psychischen Problemen geführt habe.
"Manche haben überhaupt keinen Kontakt zu Anwälten und wissen daher gar nicht, wie es derzeit in ihrem Verfahren aussieht", erklärt Ongaro. Zumindest in diesem Bereich will "Stay" gemeinsam mit der Caritas in den kommenden Wochen Abhilfe schaffen. In der Beratungsstelle in Düsseldorf bekommen die Flüchtlinge eine kostenlose Beratung, es wird Akteneinsicht beantragt, um sich einen Überblick zu verschaffen und weitere Schritte einzuleiten. Wenn es nach "Stay" geht, dann sind die Tage der Container in Tiefenbroich gezählt. "Wir verlangen eine menschenwürdige, ordentliche Unterbringung der Flüchtlinge", so Ongaro. Dazu gehöre auch eine gute Anbindung.
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