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Ratingen: Mit spielerischer Finesse

VON GISELA SCHÖTTLER - zuletzt aktualisiert: 10.03.2009

Düsseldorf (RPO). Zum 25. Todestag von Pierre Cochereau, einst Titularorganist von Notre-Dame in Paris, startete Kantor Ansgar Wallenhorst die neue Saison der Orgelwelten in St. Peter und Paul mit einem eindrucksvollen Konzert.

Ansgar Wallenhorst an der Orgel in St. Peter und Paul. Sonntag überzeugte er mit Improvisationen von Titeln Pierre Cochereaus.   Foto: RPO
Ansgar Wallenhorst an der Orgel in St. Peter und Paul. Sonntag überzeugte er mit Improvisationen von Titeln Pierre Cochereaus. Foto: RPO

Mit einem eindrucksvollen Gedenkkonzert zum 25. Todestag von Pierre Cochereau, des bedeutenden Organisten von Notre-Dame in Paris, begann die neue Saison der Orgelwelten in St. Peter und Paul. Zwölf Jahre "Organistival", daraus entwickelten sich mehrere Standards: Qualität, Überraschung und Innovation. Kantor Ansgar Wallenhorst wurde einmal mehr jedem Anspruch gerecht.

Qualität prägte sein Spiel, das diesmal vor allem aus rekonstruierten Improvisationen des französischen Titularorganisten bestand. Erstaunlicher Weise kam die Musik des Mannes, der nach eingespielten Fernsehaufnahmen zu schließen mit Schülern nicht gerade zart umging, dabei leicht, über die Tasten huschend, luftig und filigran daher. Schon die Erinnerung an Louis Vierne klang auf satter Basis beruhigend und freundlich heranziehend.

Info

Persönliches

Pierre Cochereau wurde 1924 in Paris geboren und war Schüler von Marcel Dupré und Maurice Duruflé.

1955 wurde er Titularorganist an Notre-Dame und später Direktor der Konservatorien von Le Mans, Nizza und Lyon. Er galt als genialer Improvisateur, vom Komponieren hielt er wenig. Er starb 1984, kurz vor seinem 60. Geburtstag, an einem Gehirnschlag.

Ansgar Wallenhorst, der damals 16 Jahre alt war und später bei verschiedenen Pariser Organisten Improvisation studierte, hat ihn nicht mehr persönlich erlebt.

Von gleicher spielerischer Finesse stellte Ansgar Wallenhorst zwei Sätze aus Viernes 6. Symphonie vor, das Scherzo koboldhaft und durchsichtig, das Finale aus wuchtigen Pedalstößen, mit den Händen zum Licht flirrend. Antrieb, Auftrieb verhieß die Musik, und trefflich passte dazu eine Cochereau-Karikatur, die ihn auf dem Rücken eines Vogels mit Orgelpfeifenmotor in den Flügeln darstellte.

Wieder eine Improvisation von Cochereau aus der ersten von 20 USA-Tourneen zeigte ein stimmungsvolles Adagio und ein einzigartiges Schmunzelstückchen. Die Faszination beider Musiker für die Orgel wurde nachvollziehbar. Das gleiche galt auch für die Improvisations-Skizzen aus Cochereaus Tournee durch Badeorte: keine klangliche Überfrachtung, sondern anmutige Erzählungen.

Überraschung bringen Jahr für Jahr neue Programmideen und Darbietungsweisen. Für den Cochereau-Abend waren es eingeblendete Bild-, Film- und Tondokumente des Geehrten, die manchen Einblick in seine Arbeitsweise und musikalische Auffassung gaben. Ebenso konnte man stets Ansgar Wallenhorst beim Orgelspiel und bei seinen kurzen Erläuterungen auf der Leinwand vorm Altar beobachten.

Innovation bot diesmal die in Ratingen von Benedikt Aufterbeck und Thomas Stöckl entwickelte Computer-Orgeltechnik zur Klanggestaltung und Pedaltrennung. Wallenhorst setzte sie beim sechsstimmigen Ricerar "Aus tiefer Not schrei ich zu dir" ein, was eine Klangdichte mit orchestraler Wirkung gab, und anschließend in einer Improvisation für Pierre Cochereau. Hier kam die Experimentierlust zur Geltung, und manches Ohr musste sich erst daran gewöhnen. Aus dem noch einmal aufgegriffenen Bach-Choral schälten sich verblüffend hohe Töne im Pedal heraus, und minimalistisch endete das Klanggefüge im Nirgendwo.

Minutenlanger Applaus und eine zauberhafte Zugabe rundeten den Abend ab.

Quelle: RP

 
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