Heiligenhaus: Museum – magisch
VON RUTH ORTLINGHAUS - zuletzt aktualisiert: 05.12.2006Düsseldorf (RPO). Dicht drängten sich die Zuhörer beim Harfenkonzert in der Heimatkundlichen Sammlung. Zu Gast war Tom Daun zu einem „Gesprächskonzert“ der Kleinen Reihe Klassik. Das Museum ist auf dem Weg zu einem Besucherrekord.
Adventliche Stimmung im Museum Abtsküche: sphärische Klänge verzauberten das Publikum im seit langem ausverkauften Vortragsraum. Die Harfe, eines der ältesten Instrumente der Menschheit, stand im Mittelpunkt einer weihnacht- und winterlichen Zeitreise. Innerhalb eines Gesprächskonzertes der „Kleinen Reihe Klassik“ entführte der Solinger Harfenist Tom Daun über zwei Stunden in traumschöne Klangwelten. Er umrankte die Melodienfülle mit geschichtlichen Erläuterungen und mit romantischen Texten aus Märchen und Sagen rund um gleich vier der edlen Instrumente. Souverän und virtuos brachte er sie abwechselnd in federleichten Melodienbögen mit perlenden Läufen, auf- und absteigenden Tonkaskaden und Arpeggien zum Klingen: die keltische, barocke, gotische und böhmische Harfe.
Vom „Fest aller Feste“
„Der Sommer hat viele Vergnügungen, aber der Winter vor allem mit Weihnachten dem Fest der Feste“, zitierte der Künstler einen englischen Dichter, spielte dann auf der keltischen Harfe eine der berühmtesten irischen Weisen. Auf der schön geschwungenen, gotischen Harfe, dem leichten, kleinen Instrument der Troubadoure, zupfte er melodiös einen gregorianischen Choral und weihnachtliche Stücke des 14. und 15. Jahrhunderts. Da hätte man eine Stecknadel fallen hören können, so gebannt lauschten die Zuhörer diesen „himmlischen“ Klängen. „Der Harfenist stimmt immer, die Harfe nie“ zitierte Daun einen bekannten Kalauer und griff zur Barockharfe. Er erzählte die traurige Mär von Tristan und Isolde, spielte dann gefühlvoll, aber ohne Pathos, das „Lamento di Tristan“, das der Sage nach das Paar zur unsterblichen Liebe mit ihrer Tragik verschmelzen oder verdammen ließ. Nach dieser elegischen Klage folgte ein stimmungsvolles Tanzlied. Unterhaltend informativ gab es Lehrminuten über die erlesen schönen Instrumente.
So über die große englische Barockharfe, „The Queens harp“ oder „arpa doppia“, mit ihren vielen jeweils an einer Seite gelegenen Klavier ähnlichen schwarzen oder weißen Tastensaiten, bevorzugt in England im Mittelalter beim höfischen Musizieren. „Es war die Zeit der melancholischen Blüte, Melancholie war in“, betonte der Harfenist.
So sei die Musik aus dieser Zeit symbolisch für den seelischen Zustand der Menschen: sehnsuchtsvoll und melancholisch. Klangschön und feinsinnig erklangen dann Kompositionen dieser Epoche. Verspielte Zupfpassagen prägten einen Elfenwalzer auf der böhmischen Harfe. Der Harfenist atmete förmlich im Gleichklang seiner Instrumente, ließ den Geist vergangener Jahrhunderte virtuos lebendig werden.
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