Ratingen: Nur ein Test bringt Klarheit
VON REGINA HARTLEB - zuletzt aktualisiert: 26.09.2006Düsseldorf (RPO). Seit 100 Jahren forschen Wissenschaftler an der Alzheimer-Krankheit. Dr. Thaddäus Mohr beantwortete am RP-Telefon Fragen zu Vorbeugung und Therapie. Heute steht das Memory-Mobil auf dem Marktplatz.
Rund eine Million Menschen in Deutschland sind von der Alzheimer-Krankheit betroffen. Experten gehen davon aus, dass es im Jahr 2030 doppelt so viele sein werden. Wie sehr das Thema Ratinger Bürger beschäftigt, zeigte sich gestern bei der RP-Telefonaktion mit Dr. Thaddäus Mohr. Rund ein Dutzend Anrufer nutzten die Gelegenheit, sich beim Oberarzt der Gerontopsychiatrie im Lintorfer Fliedner Krankenhaus zu informieren.
Wie kann ich feststellen, ob ich Alzheimer habe, oder eine genetische Veranlagung für die Krankheit? Dies war die zentrale Frage der meisten Anrufer. Vom 78-jährigen Mann, der bisweilen geschichtliche Daten vergisst, bis zur 42-jährigen Tochter des früh an Alzheimer verstorbenen Vaters – nahezu alle wollten Gewissheit.
„Es gibt verschiedene Möglichkeiten zu testen, ob jemand an Alzheimer leidet“, erklärte Mohr. Schnell und recht aussagekräftig seien der Uhrenzeichentest, bei dem Kandidaten ein Zifferblatt mit vorgegebener Uhrzeit malen müssen. Auch Tests, in denen sich an bestimmte Wörter und Wortfolgen erinnert werden muss, gäben Aufschluss über eine mögliche Erkrankung. Für genetisch vorbelastete Menschen empfahl der Mediziner eine differenzierte Abklärung, zum Beispiel in der Gedächtnisambulanz der Düsseldorfer Uni-Klinik.
Mohrs dringender Appell an Betroffene und Angehörige lautete: Bei gewissen Verdachtsmomenten sollte man sich frühzeitig untersuchen lassen. „Alzheimer ist zwar nicht heilbar. Aber es gibt heute wirksame und verträgliche Medikamente, die den Fortgang der Erkrankung verzögern.“ Wichtig dabei zu wissen: Alle Tests geben stets nur den Istzustand wieder. Verlässliche Marker, die Voraussagen darüber zulassen, ob jemand eines Tages an Alzheimer erkranken wird oder nicht, gebe es nicht.
Zu den typischen Auffälligkeiten, die auf eine Alzheimer-Erkrankung hindeuten, gehören Orientierungsprobleme, Sprachstörungen, ein beeinträchtigtes Urteilsvermögen sowie Zerstreutheit – die Uhr landet plötzlich im Kühlschrank – Stimmungsschwankungen und Antriebslosigkeit.
Eine Seniorin, deren Mann nachts laut schreit und die Schwester einer vergesslich und zänkisch gewordenen Schwester baten am Telefon um Hilfe. Eine Frau suchte Rat, wie sie die Mutter vom Autofahren abhalten könne. Beispiele dafür, wie sehr auch die Angehörigen von Alzheimer-Patienten belastet sind. Denn der zunehmende Verlust gewisser Fähigkeiten geht häufig mit Veränderungen der Persönlichkeitsstruktur einher.
Mohr stellte klar: „Bei Alzheimer ist der Weg vorgezeichnet. Nach fünf bis sechs Jahren ist trotz Medikamenten ein Stadium völliger Hilflosigkeit erreicht.“ Besonders für die zwei bis drei Prozent der in jungen Jahren Erkrankten eine verheerende Diagnose.
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