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Ratingen: Protest gegen Mogelpackung

VON JÜRGEN FISCHER - zuletzt aktualisiert: 31.08.2007

Düsseldorf (RPO). Der Evangelische Kirchenkreis protestiert mit Postkarten gegen das neue Kinderbildungsgesetz.

Statt wie versprochen mehr Bildung bringt es höhere Kosten für Eltern und Risiken für die Träger von Kindergärten.
Sorgen sich um die Qualität ihrer Kindergärten: Superintendent Frank Weber (Haan, l.), Pfarrer und Synodalbeauftragter für Kindergartenarbeit Joachim Rönsch (Hilden) und die Leiterinnen von Kindertagesstätten (v.l.) Jutta Lehrbach (Ratingen-Homberg) und Anette Klier (Ratingen) sowie die Kindergarten-Referentin der evangelischen Kirche Anette Hemmie mit den Protest-Postkarten.  Foto: RPO
Sorgen sich um die Qualität ihrer Kindergärten: Superintendent Frank Weber (Haan, l.), Pfarrer und Synodalbeauftragter für Kindergartenarbeit Joachim Rönsch (Hilden) und die Leiterinnen von Kindertagesstätten (v.l.) Jutta Lehrbach (Ratingen-Homberg) und Anette Klier (Ratingen) sowie die Kindergarten-Referentin der evangelischen Kirche Anette Hemmie mit den Protest-Postkarten. Foto: RPO

Kreis Mettmann/Düsseldorf Mit dem neuen Kinderbildungsgesetz werden Kindergärten nicht besser, sondern schlechter, fürchtet der Evangelische Kirchenkreis Düsseldorf-Mettmann. Gestern startete Superintendent Frank Weber im Familienzentrum Schildsheider Straße in Hochdahl einen Protest, bei dem 3000 Postkarten an Familienminister Armin Laschet geschickt werden sollen.

„Wir befürworten flexiblere Angebote“, sagte Weber. Daher habe die Evangelische Kirche an dem Gesetz mitgewirkt. Doch das Land sei von einem erreichten Kompromiss abgerückt. Weber: „Wir fürchten, dass wir nicht umsetzen können, was wir selbst erarbeitet haben.“

Anette Hemmie, Kindergartenreferentin des Kirchenkreises, erläutert: Das Gesetz löse das Versprechen „Bildung satt“ nicht ein. Daher tragen die Protestkarten eine Karikatur des Bochumers Michael Hüter. Sie zeigt eine Erzieherin, die Kindern das Fischgerippe „KiBiz – Bildung für die Kleinen“ serviert.

Die Tagesstätten haben mit altersgemischten Gruppen ein Angebot für unter Dreijährige aufgebaut. Drei Erzieherinnen kümmern sich um 15 Kinder (acht unter Drei, sieben über Drei). Künftig soll es nur Gruppen mit zehn unter Dreijährigen und zwei Erzieherinnen geben. Der Vorteil, das junge von älteren Kindern lernen, ist verloren.

Die Familienzentren sollen ihr Angebot mit 12 000 Euro im Jahr umsetzen. Hemmie und Synodalbeauftragter Pfarrer Joachim Rönsch sagen: „Das geht nicht.“ Schließlich sollen die Eltern über ihre Beiträge 19 Prozent der Gesamtkosten aufbringen. Bisher werden aus Beiträgen landesweit 13 Prozent bestritten. Hemmie fürchtet: „Die Kommunen werden ihre Kindergartenbeiträge drastisch erhöhen. Die Haushaltssicherungsgemeinden werden dazu sogar gezwungen sein.“ Rönsch beklagt eine Ungleichbehandlung: „Es wird unterschiedliche Beiträge geben in Mettmann, Erkrath, Hilden oder Ratingen.“

Eine weitere Neuerung: Bislang können Eltern ihre Kinder 35 Stunden wöchentlich in die Kita schicken oder 45 Stunden. Künftig sollen auch 25 Stunden möglich sein. Die Kirche begrüße zwar die Flexibilisierung, sagen Hemmie und Rönsch. Bei steigenden Elternbeiträgen werde dies jedoch dazu führen, dass gerade Kinder, die den Kindergarten am nötigsten haben, nur 25 Stunden kommen. Völlig ungeklärt ist, wie Hartz IV-Empfänger behandelt werden. Hemmie zieht den Schluss: „Ungleichheit in den Lebensbedingungen haben wir bereits. Jetzt gehen Bildungschancen in den Tagesstätten verloren.“

Der Kirche lastet das Gesetz mehr Risiken auf. Zwar wurden die Träger entlastet, indem sie nur noch zwölf statt 20 Prozent der Kosten aufbringen müssen.

Doch dafür tragen sie das Risiko, für Krankheitsvertretungen aufkommen zu müssen. Auch in der Finanzierung der Gruppen pro Kind statt pauschal steckt Unsicherheit. Rönsch: „In Zukunft könnten Träger gezwungen sein, das mit Zeitpersonal aufzufangen.“

Quelle: RP

 
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