Ratingen: Raucher an die Luft gesetzt
VON IRIT BAHLE, CORINNA KUHS UND JOACHIM PREUSS - zuletzt aktualisiert: 28.03.2008Düsseldorf (RPO). Drei Monate nach Inkrafttreten des Rauchverbots in öffentlichen Gebäuden haben sich Stadtverwaltung und Betroffene arrangiert. Nur im „Gehege“ am Stadionring fühlen sich Raucher ausgegrenzt.
Ein angebautes Dach am Fahrradschuppen, darunter steht ein Aschenbecher, ein kalter Wind pfeift durch die Holzkonstruktion. Das ist seit einem Monat der Raucherbereich des Verwaltungsgebäudes am Stadionring. Seit dem 1. Januar herrscht in NRW Rauchverbot in allen öffentlichen Gebäuden. Die Stadtverwaltung hat inzwischen spezielle Raucherecken eingerichtet. Kaum ein Raucher ist begeistert, aber fast alle haben Verständnis für das Gesetz.
Was halten die qualmenden Mitarbeiter von ihrem Ausweichquartier im zugigen Hinterhof, das sie „Gehege“ nennen? „Es macht mir nichts aus, rauszugehen“, sagt Arthur Bortlik. „Ich rauche weniger. Man kommt seltener dazu.“ Auch Mike Zollweg findet es gut, dass im Rathaus nicht mehr geraucht wird. Allerdings fühle man sich im „Gehege“ etwas abgeschoben. Besonders bei schlechten Wetterverhältnissen sei es unangenehm, da der Platz nicht windgeschützt sei. Ein weiteres Problem: Der Schuppen befindet sich mitten im Innenhof. „Rundum sind viele Büros. Jeder kann sehen, wie oft und wie lange man unten ist. Man fühlt sich kontrolliert“, sagt Simone Colmsee-Kurth.
Trotz der Einwände scheint der Grundtenor gegenüber dem Rauchverbot positiv zu sein. „Nur das Gehege mag keiner“, so Zollweg. Aber es habe auch seine Vorteile: „Ich wollte schon vorher aufhören, da hilft es, nicht mehr im Büro zu rauchen. Man setzt es auch im Privatleben um und reduziert das Rauchen.“ Bei der Stadtverwaltung wird es nicht gerne gesehen, wenn Raucher in den Haupteingängen stehen und Rauchzeichen geben.
Auch mal eben vor die Türe zu gehen und sich bei Regen im Schutze des Gebäudes „eine anzustecken“, stieß bei den Kollegen, denen der Qualm über die Fenster in die Büros zog, auf wenig Gegenliebe. Am Rathaus wurde zunächst auf dem Wirtschaftshof eine Zigarettenecke eingerichtet. Die sei aber nicht so gut angenommen worden, sagte Joachim Reinberg, stellvertretender Leiter der Zentralen Gebäudewirtschaft. Deshalb habe man gegenüber dem Rathaus auf dem Hof des Gebäudes an der Minoritenstraße 7 einen Unterstand gebaut. Der Hof ist abgeschlossen, die Mitarbeiter haben einen Schlüssel.
Auch das überdachte „Gehege“ am Fahrradschuppen hinterm Jugendamt am Stadionring wurde von Mitarbeitern des Baubetriebshofes gebaut. Es seien in beiden Fällen nur Materialkosten entstanden, sagte Reinberg. Die Mitarbeiter müssen sich zum Rauchen „ausstempeln“. Diese Pausen gingen also von der Freizeit ab, sagte Pressereferentin Ulrike Elschenbroich.
Bei der Feuerwehr sei schon seit längerem in den meisten Räumen nicht mehr geraucht worden, so Sprecher Joachim Herbrand. Es habe ein einziges Raucherbüro sowie Raucherräume gegeben. Nun habe man Aschenbecher an zwei überdachten Stellen im Hof. Oft greife man besonders nach Einsätzen stressbedingt zum Glimmstengel, betonte er. Daher seien in den meisten Fahrzeugen auch die Aschenbecher ausgebaut worden.
Erste Folgen insgesamt: Zehn Mitarbeiter der Stadtverwaltung haben sich zu einem Anti-Raucher-Training angemeldet. Das Training findet in der Regel während der Arbeitszeit statt – finanziert von der Stadt. Im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsfürsorge bauten Personalamt und Gleichstellungsstelle einen Stand im Rathaus-Foyer auf. Mitarbeiter, die vor dem Rauchen stempeln mussten, waren interessiert. „Mit 80 Prozent sind wir direkt ins Gespräch gekommen“, sagte Gesche Hansmeier von der Gleichstellungsstelle. Das sei ungewöhnlich, andere Städte hätten nicht einmal genügend Anmeldungen fürs Anti-Rauch-Training zusammenbekommen.
Bei der Post in Ratingen wird übrigens seit 1999 nicht mehr geraucht – „allein schon aus Sicherheitsgründen“, betonte Sprecher Friedrich Buttgereit.
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