Ratingen: Respekt vor den Opfern zeigen
VON JASMIN MAXWELL - zuletzt aktualisiert: 17.11.2008Düsseldorf (RPO). Am Volkstrauertag wurde im Stadttheater der Opfer von Krieg und Gewalt in aller Welt gedacht. Der Ratinger Kammerchor und die Theater-AG des Weizsäcker-Gymnasiums gestalteten die Gedenkfeier mit.
Geschichte
Der Volkstrauertag entstand 1922 in der Weimarer Republik als Gedenktag für die gefallenen deutschen Soldaten des Ersten Weltkriegs. Die Nationalsozialisten benannten ihn 1934 in Heldengedenktag um – statt um Totengedenken ging es nun um eine Verherrlichung der Soldaten. Damals war der Termin noch der fünfte Sonntag vor Ostern. In Abgrenzung dazu wurde 1952 beschlossen, den Gedenktag in den November, in dem es in der Kirche um das Thema Tod geht, zu verlegen.
Am zweiten Sonntag vor dem Ersten Advent wird in Deutschland seit 1952 der Volkstrauertag begangen. Auch in Ratingen wurde gestern im Stadttheater der Opfer von Krieg und Gewalt in aller Welt gedacht.
Warum soll man sich überhaupt immer wieder an Gewalt, ihre Opfer und besonders an die zwei Weltkriege erinnern? Diese Frage behandelte Pfarrer Thomas Gerhold, Vorsitzender der evangelischen Kirchen in Ratingen, in seiner Rede. Auslöser dafür war ein kritischer Leserbrief, den er in Bezug auf die vielen Reichspogromnachts-Gedenkfeiern am 9. November gelesen hatte. Auch wenn der Volkstrauertag heute eine ganz andere Bedeutung habe als bei seiner Einführung 1952, als die Menschen noch unmittelbar mit den Folgen des Zweiten Weltkriegs leben mussten – „in der Erinnerungsarbeit zeigt man Respekt vor den Opfern und Ehrfurcht vor dem Leben“, so Gerhold.
Durch das Gedenken an die Opfer erkenne man den individuellen Wert jedes einzelnen darunter an. „Zerreißt den Mantel der Gleichgültigkeit“, zitierte Gerhold von einem Flugblatt der „Weißen Rose“, einer Widerstands-Gruppe im Dritten Reich, und betonte, die Haltung jeder einzelnen Generation sei folgenreich. Besonders freute sich Gerhold darüber, dass mehrere Generationen die Gedenkfeier mitgestalteten. Vertreter und Fahnenträger der Ratinger Schützenbruderschaften waren anwesend, außerdem gab es sowohl stimmungsvolle Darbietungen des Ratinger Kammerchores unter Leitung von Dominikus Burghardt, als auch eine Aufführung der Theater-AG „GesThe“ des Carl Friedrich von Weizsäcker-Gymnasiums. Die Jugendlichen spielten unter Leitung von Lehrer Rolf Mantyk eine Szene aus Friedrich Dürrenmatts Stück „Die Physiker“. Sie überzeugten durch ihre eindrucksvolle schauspielerische Leistung sowie den nachdenklich stimmenden Inhalt der Szene. In dieser trug der angeblich verrückte Physiker Möbius seiner Familie einen „schrecklichen Psalm“ über das verseuchte Universum vor. Auch Bürgermeister Harald Birkenkamp, der nach der Veranstaltung einen Kranz auf dem jüdischen Ehrenfriedhof an der Werdener Straße niederlegte, betonte die Wichtigkeit des Volkstrauertages: Man müsse die Vergangenheit in die Gegenwart tragen und sich fragen, was man tun könne, um alte Fehler zu vermeiden. „Trauer und Gedenken sind zwar nicht leicht zu ertragen, aber sie weisen den Weg in eine Zukunft mit mehr Frieden.“
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