Hösel: Rosige Wirtschaftswunderzeit
VON GISELA SCHÖTTLER - zuletzt aktualisiert: 23.10.2007Düsseldorf (RPO). Zur Finissage der Ausstellung „Aufbau West“ gastierte das Trio „Die Sweethearts“ im Oberschlesischen Landesmuseum. Das Ensemble bot eine stilechte und beschwingte Rückblende in die Fünfziger Jahre.
Eine Gitarre, ein Kontrabass und drei salonfähige Stimmen, da war im Oktogon des Oberschlesischen Landesmuseums plötzlich die Stimmung der 50er Jahre zu spüren: Wiederaufbau, Wirtschaftswunder, eine rosige Zukunft und die Schlager von damals. Für das Publikum im ausverkauften Saal war es bis auf wenige Ausnahmen eine beschwingte Rückblende in die eigene Jugendzeit.
Ohrwürmer ohne Ende
Klaus Walters Neuss-Kölner Trio „Die Sweethearts“ besang in fünf Kapiteln die Erlebnisse, Wünsche und Träume der Deutschen im ersten Nachkriegsjahrzehnt. Von „Zwei kleine Italiener“ bis zu „Ich will ‘nen Cowboy als Mann“ waren es ausnahmslos Ohrwürmer, die mit einem Schuss Ironie von Annette Praktisch, Klaus Saubermann und Wolfgang Wunder dargeboten wurden und der Finissage zur Ausstellung „Aufbau West“ ein beschwingtes Finale gaben.
Weitere Termine
Hinweis auf die nächsten beiden Ausstellungen, die am Sonntag, 18. November, um 15 Uhr eröffnet werden: 1. Preußens Anfang und Ende in Schlesien (Geschichte Schlesiens von den Kriegen Friedrich II. bis ins 20. Jahrhundert) 2. Ost-West-Begegnungen in Krieg und Frieden (Auf den Spuren einer Familiengeschichte)
Souvenirs hieß der erste Teil und führte auf verschiedene Weise das vor 50 Jahren beliebsteste Urlaubsziel Italien vor. Spätestens in der Schmuseschnulze „Bona sera Signorina“ merkte man, dass Annette in ihrem rosa Organzakleid nicht nur wie ein Sweetheart aussah, sondern auch das passende Temperament hatte. Zusammen mit dem Gitarristen Klaus bestritt sie die Mehrzahl der Gesangsnummern, während Wolfgang den Bass zupfte und nur dann und wann Stimmführer war. Ähnlich war die Rollenverteilung in den eingestreuten Werbespots mit passenden Requisiten und praktischen Ratschlägen.
Das zweite Kapitel unter der Überschrift Wirtschaftswunder reichte von „Gehn Sie mit der Konjunktur“ bis zu dem mit aller Inbrunst vorgetragenen Hit „Wir wollen niemals auseinandergehn“. Der nächste Abschnitt erinnerte mit der Film-Titelmelodie „Natürlich die Autofahrer“, dem Gedicht von der Made und dem pfiffigen Sketch über eine Ehetragödie, in der jedes Wort mit dem gleichen Buchstaben – das G wurde vom Publikum gerufen beginnen musste – an Heinz Erhardt, der heute auch in der jüngeren Generation viele Fans hat. Klaus Saubermann war dem unvergessenen Erhardt mit seiner dunkel umrandeten Brille und Statur sogar ein bisschen ähnlich.
Mit Schlagerradio und Fernsehprogramm waren die beiden letzten Gruppen überschrieben. Auch hier war jeder Song bekannt – von „Lady Sunshine und Mr. Moon“ bis zu „Marina, Marina, Marina“ oder vom Kriminal-Tango bis zu „Da sprach der alte Häuptling der Indianer“. Nicht die künstlerische Glanzleistung war an diesem Abend gefragt, sondern die möglichst stilechte Rückblende im Unterhaltungssektor, und die war rundum gelungen, wie die Zugaberufe deutlich belegten.
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