Ratingen: "Rost an der Gas-Leitung"
VON JOACHIM PREUSS - zuletzt aktualisiert: 04.07.2009Düsseldorf (RPO). Die Bürgerschaft Breitscheid will sich an die Spitze einer Protestbewegung gegen den Betrieb der CO-Pipeline setzen. Initiativen anderer Städte wundern sich über die Lethargie in Ratingen. Bericht über Sicherheitsmängel.
Auf großes Interesse stieß die Info-Veranstaltung der Bürgerschaft Breitscheid zum Thema CO-Pipeline. Trotz der Hitze drängelten sich etwa 60 Bürger im Gemeindesaal am Roten Turm. Vertreter von Initiativen aus Duisburg und Erkrath stellten ihre Arbeit vor – und wunderten sich, dass es in Ratingen bislang keine Protestbewegung gebe. Das führte zu heftigen Diskussionen: Nun will sich die Bürgerschaft an die Spitze der Protestbewegung vor Ort setzen. Das kündigte Vorsitzender Reinhard Krekler an.
Bereits am Donnerstag, 6. August, soll es eine Sondersitzung geben. "Wir werden die Frage klären, ob wir selbst eine Initiative gründen oder uns anderen anschließen", sagte Krekler. Es wurden am Abend bereits die ersten E-Mail-Adressen gesammelt.
Adressen-Sammlung
Die Bürgerschaft Breitscheid sammelt E-Mail-Adressen von Interessierten, die beim Kampf gegen die Inbetriebnahme der CO-Pipeline mitmachen wollen: info@buergerschaft-breitscheid.de.
Initiativen im Internet: www.ig–erkrath.de, www.stopp–co–pipeline.de, www.contra–pipeline.de.
Bayer: www.pipeline.bayer.de.
Zuvor hatte es Infos über das juristische Tauziehen und den Stand der Dinge aus erster Hand gegeben: Referenten waren Dieter Donner, Sprecher der Initiativen, Wolfgang Cüppers, 1. Vorsitzender der Interessengemeinschaft Erkrath, und Erich Hennen, Vorsitzender der Bürgerinitiative Contra Pipeline in Duisburg.
Cüppers wunderte sich über die Lethargie in Ratingen: "Was wir nicht verstehen können: Dass fast nichts aus Ratingen kommt, dass sich keine Bürgerinitiative gegründet hat." Donner ließ "im Schweinsgalopp" das Verfahren zum Bau der Pipeline seit Anfang 2007 Revue passieren. Es sei die Geschichte ständiger Änderungsbescheide, allein im April 2009 habe es 50 davon gegeben. Die Bezirksregierung habe immer brav abgenickt. Juristisch habe es bislang nur Entscheidungen in Eilverfahren gegeben, das erste Hauptverfahren stehe für den Herbst an. Trotz des jüngsten Erfolges mahnte Donner, sich noch auf lange Jahre des Rechtsstreits einzustellen. Bis zu einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes könnten noch sieben Jahre vergehen. Man hoffe, dass Bayer die Puste ausgehe.
Wie sicher ist die Leitung?
Ein großes Thema war die Sicherheit. Es gebe im Leckagefall keine Rettung, sagte Cüppers kurz und knapp. Die Feuerwehr sperre ab, das war's dann. Nur mit speziellen Atemgeräten könnten die Helfer für wenige Minuten im Gas arbeiten, doch für die Opfer gebe es so etwas nicht. Im gefährdeten Gebiet lebten kreisweit etwa 143 000 Menschen.
BU-Ratsmitglied Heinz Brazda, Prof. Hans Petry und ein Röhrenexperte (der jetzt vom Kreis Mettmann als Gutachter beauftragt wurde) hatten 2007/2008 die Baustelle inspiziert und nach eigenen Angaben eklatante Mängel festgestellt und fotografisch festgehalten: Die Bilder von Petry zeigten unter anderem zu dünne Rohre, Rost im Innenraum, beschädigte Isolierungen und fragwürdige Zwischenstücke. Die Bilder waren beim jüngsten Verfahren urteilsentscheidend. Petry verwies auf Studien, denen zufolge CO-Gas für Korrosion bei Stahl sorgen könne. Immerhin sollen die Rohre 50 bis 100 Jahre halten. Im Chiemgau sei mal eine durchgerostete CO-Leitung leckgeschlagen, so Hennen. Donner: "Der Skandal wird immer größer. Wir müssen noch mehr mobilisieren und vor allem durchhalten." rp-online.de/ratingen KOMMENTAR
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