Ratingen: Rot bleibt schon mal an der Garderobe hängen
VON NORBERT KLEEBERG - zuletzt aktualisiert: 24.09.2009Düsseldorf (RPO). Selbst in modischen Dingen bekennt sie politisch Farbe. Doch manchmal kommt es bei der gestandenen Sozialdemokratin Kerstin Griese vor, dass sie rote Kleidungsstücke im Schrank oder einfach an der Garderobe hängen lässt. Unlängst, bei einem gesellschaftlichen Termin in Ratingen, erschien sie in einer türkisfarbenen Jacke. Große Augen beim Betrachter, der die 42-jährige Historikerin gemeinhin nur in der SPD-Leitfarbe Rot wahrnimmt.
"Abwechslung muss sein", sagte die Bundestagsabgeordnete und fügte rasch hinzu, "mal ehrlich, ich konnte die Farbe Rot plötzlich nicht mehr sehen."
Eine Momentaufnahme, die erkennen lässt, dass Grieses Gedanken nur um den kommenden Sonntag kreisen. Sie kandidiert im Wahlkreis 106 (Ratingen, Heiligenhaus, Velbert und Wülfrath) erneut für ein Bundestagsmandat. In den letzten Tagen will sie noch einmal aufs Tempo drücken. So sprach Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder unlängst in Mettmann.
Griese kennt die Mechanismen in der Politik aus dem Effeff. Insgeheim hat sie sich vom Kanzler-Kandidaten Frank-Walter Steinmeier die typischen Schröderschen Kämpfer-Qualitäten erhofft, das verbale Reingrätschen, das Mitreißen der Genossen. Doch Steinmeier ist nicht Schröder.
Immerhin, so Grieses Eindruck: Der Außenminister ist kämpferischer geworden. Und dieser Trend kann Griese nur helfen. Die Vorsitzende des Familienausschusses im Bundestag betonte im RP-Interview: "Ich kämpfe um das Erststimmen-Mandat." Griese weiß nur zu gut, dass Politik an Köpfen festgemacht wird. In ihrem Wahlkreis 106 hat sie auf die Mischung gesetzt: Polit-Promis wie Steinmeier, Brigitte Zypries (Justizministerin) und Peer Steinbrück (Finanzminister) schauten im Wahlkreis vorbei. Griese nahm viele Termine wahr: von der Einweihung der neuen Feuerwache in Ratingen bis hin zum Fastenbrechen der Türkisch-Islamischen Gemeinde.
"Ich erkläre Politik"
Rhetorisch bewegt sie sich sicher auf spiegelglattem Parkett. Griese hat in ihrem Job in der Bundespolitik die Konturen geschärft. Mit der eigenen Talk-Reihe "Griese trifft . . ." hat sie ein Format entwickelt, das nicht nur pure Parteipolitik widerspiegelt. Griese hat sich in die Themen eingearbeitet. Der Vorteil: Die Zuhörer bekommen Informationen bei den Gesprächen mit den Fachministern aus erster Hand. Griese sagt dazu: "Ich erkläre Politik. Und das ist wichtig."
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