Ratingen: Rückblick mit Dieter Nuhr: "Einfach weitermachen"
zuletzt aktualisiert: 16.12.2009Düsseldorf (RPO). Zugegeben: Um aus den nicht immer wohlschmeckenden Zutaten, die das Jahr 2009 gemeinhin zu bieten hatte, ein schmackhaftes und aufmunterndes Destillat zu brennen, braucht es noch ein paar Zusatzstoffe. Zum Beispiel intelligenten Humor, abgerundet mit einer Portion Zynismus. Dieter Nuhr ist einer der wenigen Künstler, die diese Kunst beherrschen.
Am Montagabend war es in der Auermühle mal wieder so weit. Kurz vor der ZDF-Aufzeichnung des Jahresrückblicks begab sich der Kabarettist erneut auf eine geistige Reise durch das Jahr, in dem seiner Meinung "gar nicht alles so schlecht war."
Auf der Bühne schenkte er seinem Publikum Schluck für Schluck von seinem Jahresgebräu aus. Die Stimmung, die von Anfang an bestens war, steigerte sich im Laufe des Abends sogar noch. Das lag auch daran, dass Nuhr zuweilen selbst über seine Wortschöpfungen lachen musste. In der Heimat ist das schließlich erlaubt. "Das ist das Schöne an meinem Job", sagte er. "Manchmal erzähle ich mir Witze, die ich auch zum ersten Mal höre."
Nur bis zur Fernsehaufzeichnung müsse er sein eigenes Lachen in den Griff bekommen. Der Tenor seines diesjährigen Rückblicks: "Einfach weitermachen". Dass sich dieser Slogan auf anhaltende Bonuszahlungen der Banker, Heidi Klums zahlreiche Niederkünfte oder Platzeks Brandenburger Stasi-Kabinett ausdehnen lässt, hätte man vorher wohl kaum vermutet.
Dabei blieb es natürlich nicht. Brüderle statt Guttenberg, Afghanistan, das Klima, Ulla Schmidt als "gelebte Polype" und die Dienstwagenaffäre, Müntes "einzige Ja-Stimme", die er in diesem Jahr erhalten hat (von seiner 40 Jahre jüngeren Ehefrau), Tiger Woods "häufiges Einlochen", Merkels "sehr engagierter Wahlkampf bei den Fischern auf Rügen", Michael Jacksons Ableben "trotz der vielen neuen Ersatzteile" oder – immer wieder gerne ein Thema – Opel und das "Twilight in Rüsselsheim".
Das waren einige Teile des Stoffs, aus dem ein nuhrscher Jahresrückblick wird. "Das war für mich dieses Jahr gar nicht so einfach ", räumte Nuhr gegenüber der RP ein. Schließlich habe er durch seine letzten ZDF-Auftritte bei "Nuhr so" bereits etliche Themen verbraten, zum Beispiel die Bundestagswahl. "Die konnte ich ja jetzt nicht mehr nehmen". Der Rest reichte offensichtlich auch aus für eine gute Stunde lang Heiterkeit.
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