Ratingen: Samtpfoten in Not
VON CHRISTIANE BOURS - zuletzt aktualisiert: 22.11.2010Düsseldorf (RPO). Die Tierhilfe Ratingen schlägt Alarm. Die Zahl der herrenlosen Katzen steigt ständig, Vermittlungen dagegen werden immer weniger. Der Grund: Freigänger werden nicht kastriert und immer mehr Katzen einfach ausgesetzt.
Im ganzen Land schlagen Tierheime und Tierhilfen Alarm. Denn die Zahl der herrenlosen Katzen steigt seit einiger Zeit dramatisch an, viele Hilfsorganisationen sind an der Grenze ihrer Kapazitäten angekommen und können der Katzenflut kaum noch Herr werden. Auch in Ratingen ist dieser Trend zu spüren, wie die Mitarbeiter der Tierhilfe Ratingen berichten. "Das ist wie ein Kampf gegen Windmühlen, man wird der Lage einfach nicht Herr", erklärt Sonja Fels von der Tierhilfe.
Immer häufiger würden die Katzen einfach ausgesetzt, wenn sie nicht länger erwünscht sind. "Viele der ausgesetzten Katzen sind nicht einmal ein Jahr alt, aber eben auch keine süßen Babys mehr", so Fels. Sprich, es gibt offenbar Menschen, die nur die niedlichen Katzenbabys haben wollen. Sobald diese erwachsen sind, werden sie vor die Tür gesetzt und sich selbst überlassen. In Tiefgaragen und Grünanlagen stromern sie dann herum, sind von heute auf morgen auf sich allein gestellt und ernähren sich meist von Hausmüll. Da die meisten von ihnen die Wohnungshaltung gewöhnt sind, sind sie nicht robust genug und wissen nicht, wie man sich draußen durchschlägt. "Viele kommen völlig abgemagert und krank zu uns", berichtet Sonja Fels.
Vermittlung
Die Tierhilfe Ratingen wurde 1982 gegründet. Alle Helfer sind ehrenamtlich tätig. Katzen, Hunde und Kleintiere wie Kaninchen und Hamster werden auf Pflegestellen untergebracht.
Bei der Vermittlung von Katzen verlangt die Tierhilfe eine Schutzgebühr von 100 bis 120 Euro. Die Katzen sind kastriert, geimpft, entwurmt und gechippt.
Weitere Informationen über die Tierhilfe Ratingen gibt es im Internet unter www.tierhilfe-ratingen.de.
Doch nicht nur ausgesetzte Katzen bereiten der Tierhilfe Sorgen. Hinzu kommen die vielen Freigänger, die nicht kastriert sind und sich draußen weiter vermehren. "Kastration ist der einzige Weg, um das Tierelend in den Griff zu bekommen", sagt Karin Georgens, Tierschutzbeauftragte für Katzen bei der Tierhilfe. Deshalb setzt sich die Tierhilfe für die Kastrationspflicht für alle Freigängerkatzen ein, wie andere Tierschutzorganisationen in Deutschland dies schon lange fordern. In Ratingen hat sich die Politik mit diesem Thema noch nicht befasst, in Düsseldorf wurde ein Antrag nach langer Diskussion abgelehnt. "Überhaupt nicht nachvollziehbar", urteilt Georgens.
Denn sie und die übrigen Mitglieder der Tierhilfe kämpfen täglich gegen die Not der Katzen. So hat die Tierhilfe mehrere Futterstellen im Stadtgebiet eingerichtet, wo sie wildlebende Katzen durchfüttert, einfängt und kastriert. "Ein paar Hundert Katzen leben so, die würden alle kaputtgehen, wenn wir sie nicht füttern würden", so Georgens. Dazu kommen rund 40 Katzen, die derzeit in Pflegestellen leben und auf ein neues Zuhause warten.
Dabei müsste es nicht so sein. "Paderborn ist ein sehr gutes Beispiel, wie die Kastrationspflicht für Katzen helfen kann", erklärt Georgens. So könnten beispielsweise Wohnungsgesellschaften, die Katzenhaltung in ihren Immobilien erlauben, auf die Mieter einwirken, damit diese ihre Tiere kastrieren lassen. Fest steht jedenfalls, dass etwas passieren muss, sagt Sonja Fels: "Denn momentan können wir selbst junge Katzen kaum noch vermitteln."
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