Ratingen: Selig im Klanggewitter
VON GISELA SCHÖTTLER - zuletzt aktualisiert: 23.11.2010Düsseldorf (RPO). Ein Glücksfall für das Finale des Organistivals 2010 der Orgelwelten in St. Peter und Paul war das Konzert des kanadisch-amerikanischen Organisten Ken Cowan. Schade nur, dass die Besucherzahl etwas hinter den Erwartungen zurückblieb.
Cowans vielseitiges Programm und seine klare Spielweise gaben dem Jahresthema "Sternstunden und Aufbrüche" noch einmal eine Fülle von Glanzpunkten und ein musikalisches Versprechen für die Zukunft mit.
Wer es nicht gehört hat, kann sich vielleicht nicht vorstellen, dass die Ouvertüre zu Richard Wagners Oper "Meistersinger" gerade diese Ewigkeitsstimmung vermitteln kann. Ende des Kirchenjahres und Neubeginn erstanden in dem festlichen Aufzug, dem Hochgefühl und den prachtvollen Bläsermotiven, die sich so gut für die Orgeltranskription (Lemare/Warren) eigneten.
Feine Gespinste, üppige Wellen
Erfolgreicher Schüler
Von 2007 bis 2009 war Simon Daubhäußer von der Musikhochschule Köln Stipendiat der Ratinger Kirchenmusik zur Erlangung eines Master- oder Konzertexamens. Ansgar Wallenhorst konnte nun den Freunden und Förderern der Orgelmusik in Ratingen mitteilen, dass Daubhäußer nach erfolgreichem Studienabschluss soeben zum Kantor der renommierten Propsteikirche in Dortmund berufen wurde.
Cowan arbeitete einprägsam die Leitmotive heraus. Von gleicher Qualität der Interpretation war die zweite Ouvertüren-Transkription (ebenfalls Warren) zum "Sommernachtstraum" von Mendelssohn-Bartholdy. Hier kontrastierten leichte, feine Klanggespinste zu üppigen Wellen. Unvergesslich die beseligende Melodie zum Schluss.
Mit einem Orgelwerk von Mozart, der Fantasia f-moll KV 608, hatte der junge Orgelprofessor aus Princeton den Abend begonnen. In einen klanggewaltigen Rahmen setzte er die anmutigen Themen. Selten hörte man die Seifert-Orgel so lyrisch. Doch dann folgten die Kapriolen. Die modernste Komposition war Sigfrid Karg-Elerts "Die Seele des Sees" aus einem siebenteiligen Werk über den Bodensee. Von Pastellen war wenig zu spüren, dafür gab es manches Klangexperiment bis hin zum Gewitter. Sehr emotional erstand auch das Allegro aus Charles-Marie Widors 6. Symphonie. Einmal mehr konnte man hier Ken Cowans flinke Finger und sein feinfühliges Aufspüren der Motive erleben.
Mit der gleichen Vielfalt breitete der Gast aus den USA das dritte, an klassischen Formen orientierte Werk des 20. Jahrhunderts von Healey Willan aus. Introduction, Passacaglia und Fuge boten ein dichtes Netzwerk an Melodien von monströser Tiefe bis zu übermütiger Lebenslust. Zuletzt vor dem Finale gab es drei Bonbons vom Jubiläumskomponisten Schumann für Pedalflügel. Die beiden kleinen Kanons As- und E-Dur übertrafen sich an Beschwingtheit und Wohlklang, und die Fuge über den Namen Bach sprudelte nur so über die Tasten. Überwältigender Applaus zur Pause und zum Ende. Nur die Besucherzahl blieb etwas hinter den Erwartungen zurück.
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