Ratingen: Stadt grüßt Babys mit Paketen
VON JULIA HAGENACKER - zuletzt aktualisiert: 13.12.2008Düsseldorf (RPO). Rund 700 Kinder kommen in Ratingen pro Jahr zur Welt. Im Januar 2009 wird das Baby-Begrüßungspaket an den Start gehen. Neu-Eltern erhalten dann eine umfangreiche Informationsbroschüre mit Adressen und Angeboten.
Kevin, Lea-Sophie und zuletzt Talea – das waren drei Fälle von schwerster Kindesmisshandlung, die in den vergangenen Jahren, Monaten und Wochen bundesweit für Schlagzeilen gesorgt haben. In allen drei Fällen kam jede Hilfe zu spät, die Kinder bezahlten die Unfähigkeit ihrer Eltern und Pflegeeltern am Ende mit dem Tod. Die Frage „Hätte das verhindert werden können?“ wurde natürlich gestellt. Die Antwort der Behörden: „So eine Entwicklung war nicht abzusehen“.
Klar ist jedenfalls: Diese Horror-Geschichten sind nur die Spitze des Eisbergs. Kevins, Lea-Sophies und Taleas, Opfer überforderter, gewalttätiger Erwachsener also, gibt es überall, auch in Ratingen. 44 Fälle von Kindesmissbrauch, 38 Fälle von Gewalt in der Familie, 29 Fälle von Vernachlässigungen und 16 Fälle von Misshandlungen wurden vom Ortsverband des Deutschen Kinderschutzbundes im Jahr 2007 registriert.
Auch die Fallzahlen im Bereich der Hilfen zur Erziehung gehen gehen weiter nach oben. Deshalb will die Stadtverwaltung ein umfangreiches Maßnahmenpaket schnüren, das in Zukunft helfen soll, mögliche Probleme in Familien frühzeitig zu erkennen. Das vom Landesfamilienministerium erstellte und mit Ratinger Adressen und Angeboten vervollständigte so genannte Elternbegleitbuch ist Teil der Präventionsarbeit und soll eine erste niederschwellige, konkrete und vor allem vorbeugende Hilfe für Neu-Mütter und -Väter sein. Die erste Auflage ist bereits gedruckt. Pünktlich zum neuen Jahr wird die Broschüre, an der das Jugendamt ein Jahr lang gearbeitet hat, erstmals verteilt.
Rund 700 Kinder kommen in Ratingen pro Jahr zur Welt. Alle Haushalte, in denen ein Baby geboren wird, erhalten künftig ein Glückwunschschreiben des Bürgermeisters, in dem der Hausbesuch eines Jugendamtsmitarbeiters angeboten wird. Der wiederum überbringt das Elternbegleitbuch „Wie schön, dass Du geboren bist“. Schnell und behutsam soll der Kontakt zu den Eltern aufgenommen werden. Die Stadt Dormagen hat es vorgemacht, deshalb trägt das Projekt den Namen „Dormagener Modell“. Der Bezirksdienst des Jugendamts wurde um fünf Stellen aufgestockt, die Sozialbezirke wurden enger zugeschnitten. Elf gibt es in Ratingen mittlerweile.
Während der Hausbesuche, davon geht man bei der Stadt aus, werden die Bezirkssozialarbeiter wahrscheinlich auch auf Familien treffen, die zwar noch keine Hilfe zur Erziehung nach dem Sozialgesetzbuch benötigen oder beantragen wollen, die aber durch niederschwellige Kursangebote ohne Schulungs- beziehungsweise Lehrgangscharakter die nötige Unterstützung bekommen können.
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