Ratingen: Steinbeck in Bestform
VON SANDRA PERSKI - zuletzt aktualisiert: 29.01.2008Düsseldorf (RPO). Die Inszenierung des Dramas „Von Mäusen und Menschen“ kam beim Ratinger Publikum gut an: das Stadttheater war ausverkauft. TV-Star Hannes Jaenicke mimte den gutmütigen Riesen.
Lennie Small und George Milton sind zwei Wanderarbeiter, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Lennie (Hannes Jaenicke) ist ein geistig zurückgebliebener gutmütiger Riese. Er arbeitet hart, richtet aber ungewollt durch seine Körperkraft immer wieder Schaden an. George (Roman Knizka) hat den „Trottel“ Lennie unter seine Obhut genommen. Immer wieder verzweifelt George an Lennies Dummheit („Wie einfach könnte ich es ohne dich haben!“), kümmert sich auf der anderen Seite aber sehr fürsorglich um ihn („Wir sind nicht allein. Das unterscheidet uns von den Anderen“).
Das Drama ist viel mehr als nur ein Schauspiel. Thematisiert werden Zweckgemeinschaften, Träume, Freundschaft und Konflikte. Es ist eine Charakterzeichnung im Kalifornien der 30er Jahre. George und Lennie heuern auf einer Farm an, wohnen dort mit anderen Arbeitern zusammen in einer Baracke. Dort entwickeln sich auf engstem Raum Konflikte. Die verschiedenen Männer müssen sich miteinander arrangieren. Jeder hängt seinem eigenen Traum von einem besseren Leben nach. Um das Dasein als Wanderarbeiter besser ertragen zu können, träumen Lennie und George ihren eigenen Amerikanischen Traum: genug Geld für ein eigenes Stück Land zu sparen, eine Farm mit Schweinen, Kaninchen und einem Maisfeld. Vor allem Lennie ist von der Idee geradezu besessen: „Erzähl mir noch einmal von der Farm, George!“.
Zum Roman
Das Schauspiel wurde nach einem gleichnamigen Roman von US-Autor John Steinbeck inszeniert. Der Roman erschien 1937 in Amerika („Of Mice and Men“) und wurde 1940 von Elisabeth Rotten ins Deutsche übersetzt.
1939 wurde der Roman in Amerika verfilmt. 1968 gab es eine deutsche Fernsehverfilmung.
Die „schönen, weichen Haare“
Sein größter Traum ist es, sich um die ersehnten Kaninchen kümmern zu dürfen, denn: „Ich streichele gerne alles, was weich ist. Wenn ich nichts Besseres habe, streichele ich Mäuse. Und Kaninchen sind auch sehr weich.“ Das Ende des Dramas ist eine unglückliche Verkettung der Ereignisse: Die hübsche Schwiegertochter des Chefs bietet Lennie in einer Scheune ihre „schönen weichen Haare“ zum Streicheln an. Wieder unterschätzt der zurückgebliebene Riese seine Kräfte und tötet das Mädchen aus Versehen.
Lennie flieht. Die Farmer sind nun unterwegs, um Lennie zu lynchen. George erlöst seinen Kumpanen schließlich von der drohenden Strafe. Er erschießt Lennie – todtraurig, aber keinen anderen Ausweg sehend.
Hannes Jaenicke und Roman Knizka waren grandios in ihren Rollen. Glaubwürdig verkörperten sie ihre Figuren. Nicht nur die schauspielerische Leistung, sondern die gesamte Inszenierung war fantastisch. Das Bühnenbild war sehr wirkungsvoll in Szene gesetzt. Wald, Baracke, Scheune: mit wenigen Handgriffen verwandelten die Schauspieler selbst das Bühnenbild, was sie geschickt in den Ablauf integrierten: Sie sangen dabei Blues, von Gitarre begleitet. So sah man den Umbau als Teil der Handlung: Die Männer bei der Arbeit. Der Applaus am Ende der Vorstellung wollte nicht abreißen. Minutenlang klatschte und jubelte das Publikum den Akteuren zu. Alle wurden mit stehende Ovationen verabschiedet.
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