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Homberg: Stolperpflaster wird entschärft

VON NORBERT KLEEBERG UND JOACHIM PREUSS - zuletzt aktualisiert: 18.06.2011

Homberg (RP). Bei der Mobilen Redaktion der RP in Alt-Homberg waren sich gestern alle Fraktionen einig: Das Holperpflaster auf der Dorfstraße soll verfugt werden. Denkmalschützerin Anna-Maria Voss hat nichts dagegen.

Die Rollstuhlfahrer Dieter Puls und Karl Heinz Petrikowksi hatten gestern Morgen Mühe, zur Mobilen RP-Redaktion auf der Dorfstraße zu gelangen: Das holprige Kopfsteinpflaster machte es ihnen schwer.

Für sie gab es aber gute Nachrichten: Das Thema Entschärfung der in die Jahre gekommenen Holperstrecke will man in der nächsten Sitzung des Bezirksausschusses am Dienstag, 28. Juni, 17.45 Uhr, Alte Schule, erneut anpacken: Das Pflaster soll verfugt werden. Da waren sich gestern überraschend alle Fraktionen einig. Zuletzt hatte sich niemand für den SPD-Prüfantrag erwärmen können (die RP berichtete).

Eine Marterstrecke

Bei der Mobilen Redaktion wurde aber klar: Mit Rollstuhl, Rollator, Kinderwagen oder gar Rollkoffer ist das Pflaster nicht mehr zu befahren. Petrikowski wohnt im nahen Wichernheim und findet den dörflichen Charakter "wunderschön", nur die Marterstrecke sei "sauschlecht". Um zur Kirche zu gelangen, müsse er einen "Riesenumweg" in Kauf nehmen. Renate Ursula Brechtel wohnt seit über 30 Jahren in Homberg: Sie erinnert sich, dass dieses grobe Pflaster erst vor etwa 25 Jahren verlegt wurde. Bei Nässe und mit Laub drauf sei es "glatt wie Schmierseife": Sie fordert neben einer Verfugung auch ein Aufrauen der Oberfläche.

Denkmalschützerin Anna-Maria Voss sagte, dass die Pflasterung seinerzeit gewünscht worden sei, um das historische Ambiente zu komplettieren. Es sei vom Land mit viel Geld gefördert worden. Gegen eine Verfugung sei aus ihrer Sicht nichts einzuwenden. Gehwege kämen wegen der Enge der Straße und der versetzten Häuserfronten nicht in Frage. Voss schlug vor, ein Musterpflaster zu verlegen. Einig war man sich aber auch darin, dass es mit Blick auf den dörflichen Charakter kein neues Pflaster und auch keine Teerschicht geben darf.

Anne Korzonnek (SPD) setzt sich schon seit langem für eine Entschärfung der Strecke ein: Viele Bürger, besonders die Bewohner vom Wichernheim, trauten sich über die Holperstrecke nicht mehr zur Kirche. Claudia Luderich (CDU), Vorsitzende des Bezirksausschusses, zeigte sich erstaunt über die "neuen Infos" von Seiten der Verwaltung: Im Bezirksausschuss habe es noch geheißen, dass man nichts machen könne.

Anja Waury (BU) bekräftigte, dass man im nächsten Ausschuss einen Beschluss fassen werde. Hermann Pöhling (Grüne) setzte sich mit Blick auch auf Mütter mit Kinderwagen fürs Glätten ein, sah aber keinen Bedarf für eine "generelle Sanierung". Manfred Evers (Linke) sagte, dass Alt-Homberg in diesem Zustand nicht für Ältere und Behinderte geeignet sei. Hannelore Hanning (FDP) verwies darauf, dass auch plattierte Flächen in Homberg in einem schlechten Zustand seien: "Stolperfallen ohne Ende."

Auch Familien meiden den Bereich. Katrin Nitz: "Als die Kinder noch klein waren, sind wir mit dem Kinderwagen dort nicht lang gegangen."

Andreas Hagemann, Leiter des Wichernheims, hofft, dass das Pflasterproblem möglichst schnell gelöst wird. Rund 90 Prozent der Bewohner seien auf Rollstuhl oder Rollator angewiesen, Das Holperpflaster stelle für viele Menschen ein überwindbares Hindernis dar. Ist das Pflaster überhaupt noch Thema im Wichernheim? "Eigentlich nicht", so Hagemann, "die Bewohner haben sich längst damit abgefunden und suchen sich andere Wege." www.rp-online.de/ratingen

Quelle: RP


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