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Lintorf: Streit um Haus Merks

VON JOACHIM PREUSS - zuletzt aktualisiert: 20.11.2007

Düsseldorf (RPO). Nachdem die Erbengemeinschaft den Abrissantrag für das Haus Speestraße 10 beantragt hatte, entdeckte die Baubehörde, dass es sich um Denkmal handelt. Nun wird geklagt.

Manfred Buer will kein Heimatmuseum betreiben. Foto: RPO

Das Gebäude Speestraße 10 ist wahrlich kein Schmuckstück. Achtlos gehen Passanten an dem mit „Ochsenblut“ angepinselten kleinem Häuschen vorbei. Nun ist der Denkmalschutz auf das alte Gemäuer aufmerksam geworden: Es wurde Ende des 18. Jahrhunderts errichtet und sei eines der ältesten Gebäude in Lintorf. Das auch Haus Merks genannte Gebäude ist das Stammhaus der Familie Steingen. Doch dort hat man für den Bau nicht mehr viel übrig: Die 21-köpfige Erbengemeinschaft hat den Antrag auf Abriss gestellt – dadurch wurde die Denkmalbehörde aufmerksam und legte ein Veto ein. Nur wird gegen die Stadt Ratingen geklagt: Denn von den meist hochbetagten Erben sieht sich niemand in der Lage, den Bau kostenintensiv zu sanieren.

Jürgen Steingen, Juwelier und Nachbar, gehört zur Erbengemeinschaft. Er sei der Jüngste, sagte er. Der Rest sei zwischen 70 und 91 Jahre alt. Niemand wolle die Immobilie behalten: „Alle wollen verkaufen.“ Doch nun habe ihnen die Denkmalbehörde einen Strich durch die Rechnung gemacht. Steingen pocht auf den gültigen Bebauungsplan noch aus Zeiten des Amtes Angerland: Dort sei eine andere Bebauung zugelassen. Immerhin zählt das Grundstück am Anfang der beliebten Einkaufsmeile zu den Top-Lagen.

Info

Alte Holztreppe

In einem Gutachten schreibt der Landeskonservator unter anderem: „Das Wohnstallhaus ist bedeutend für die Geschichte des Menschen, da es ein authentisches Dokument Jahrhunderte alter gültiger Wohn- und Wirtschaftsformen ist (...).“

Weiter heißt es: „Die Innenraumdisposition des Wohnstallhauses ist unverändert geblieben. Ebenso sind noch Teile der Innenausstattung wie die Holztreppe (...), die Vertäfelung des Flures mit historischer Bemalung , ein Flurschrank, umputzte Deckenbalken, historische Türblätter und Fensterrahmen vorhanden.“

Jürgen Steingen zum Thema „Wohnstallhaus“: „Das war niemals ein Bauernhof.“

Eine mögliche Verwendung sieht Steingen nicht mehr. Das Haus steht leer, seitdem die letzte Bewohnerin vor eineinhalb Jahren im Alter von 91 Jahren gestorben ist. Die Idee der Denkmalschützerin Anna-Maria Voss, es den Lintorfer Heimatfreunden zu überlassen, sei dort auf wenig Gegenliebe gestoßen, so Steingen. Auch mit Zuschüssen, wie sie die Stadt in Aussicht gestellt habe, sei ein Heimatmuseum von dem Verein nicht zu stemmen. Und als Mietshaus werde es nach einer Sanierung nicht mehr viel taugen: „Die obere Etage ist viel zu niedrig.“ Auch Makler hätten abgewunken: Alte Fachwerkbauten seien zwar begehrt, aber nicht in einer solchen Lage direkt an einer Hauptstraße. Außerdem bezweifelt Steingen, dass es sich tatsächlich, wie vom Amt behauptet, um Fachwerk handele, nur weil Holzbalken in den Mauern seien. Zumal draußen meist nur Ziegelsteine zu sehen sind. Einige Balken im Dachbereich seien morsch, daher habe man sicherheitshalber ein Absperrgitter anbringen lassen. Steingen berichtete von einem Gutachten, das die Stadt unter Verschluss halte. Die Erbengemeinschaft habe es übers Gericht angefordert. Er hofft weiterhin auf die Abrissgenehmigung. KOMMENTAR

Quelle: RP

 
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