Ratingen: Streit um Müllabfuhr
VON NORBERT KLEEBERG - zuletzt aktualisiert: 02.02.2012Ratingen (RP). Ärger am Fontaneweg: Die Stadt will die Mülltonnen auf der Anliegerstraße nicht mehr abfahren – der Weg sei zu eng für ein Fahrzeug und zu gefährlich. Nun sollen Anwohner ihren Abfall zu Sammelplätzen rollen.
Ost Am beschaulichen Fontaneweg in Ratingen Ost dürfen sich die Anwohner in diesen Tagen mit sperrig formulierten Unfallverhütungsvorschriften herumplagen. Die Bürger haben nämlich unerfreuliche Post vom Baubetriebshof bekommen. In einem zweiseitigen Schreiben steht, was in Sachen Müllabfuhr noch möglich ist und was nicht.
Die besagten Unfallverhütungsvorschriften legen genau fest, wann und wo Müllfahrzeuge eingesetzt werden können. Droht Gefahr – aus welchen Gründen auch immer – muss die Stadt Abhilfe schaffen. Das Ergebnis in Kurzform: Selbst ein Durchfahren mit dem kleinsten Müllfahrzeug sei "nicht ohne Gefährdung" möglich, heißt es in dem Schreiben des Baubetriebshofes, das der RP vorliegt. Der Fahrer rangiere seinen Wagen zurzeit über eine 100 Meter lange Strecke bis zur zweiten Laterne – und dies "verbotswidrig rückwärts". Die Folge: Die Stadtverwaltung hat den Fontaneweg von der abzufahrenden Streckenkarte gestrichen.
Seit Mittwoch müssen Bürger ran
Seit dem vergangenen Mittwoch, 1. Februar, sollen die Anwohner ihre grauen, braunen und blauen Abfallbehälter im Bereich des Kopernikusrings oder alternativ an der Bruchstraße gut sichtbar und ohne Behinderung für den Straßenverkehr zur Abholung bereitstellen.
Beim Ortstermin, zu dem die FDP geladen hatte, gab es unter den betroffenen Bürgern nur einen Kommentar: "Ein Unding!" Dem pflichtete Hannelore Hanning, die Fraktionschefin der Liberalen, uneingeschränkt bei. Die Stadtverwaltung müsse vertretbare Lösungen für die Bürger aufzeigen, schließlich seien auch andere Anliegerstraßen im Stadtgebiet betroffen. Beim gestrigen Ortstermin war gar von 24 weiteren Straßen die Rede.
Aus Sicht von Ulrich Hey, dessen Mutter Gisela Anfang Januar Post vom Baubetriebshof erhalten hat, ist die Maßnahme der Stadt absolut unausgegoren. So seien die Tonnen an den Sammelplätzen überhaupt nicht gesichert. Und diese Plätze seien auch noch gar nicht als Sammelstellen ausgewiesen, monierte Hey, der zudem in die Runde fragte, wer denn für ungesicherte Tonnen als Unfallursache hafte. In dem Schreiben wies die Stadtverwaltung darauf hin, dass Laternen die Breite des Weges weiter einschränkten. Ein Mitarbeiter der Stadtwerke betonte, dass die Laternen im Jahr 1999 dort installiert worden seien. Ein Versetzen der Leuchten auf die Grundstücke sei kein Problem, allerdings eine Kostenfrage. "Ein besonders großes Unfallrisiko" bestehe im Bereich des Ausgangs des Kinderspielplatzes, schrieb der Baubetriebshof, es sei nicht auszuschließen, dass bei der Rückwärtsfahrt ein vom Spielplatz laufendes Kind übersehen werde und es dadurch zu einem tödlichen Unfall komme.
Anwohner Hey betonte: "Ich habe den Eindruck, dass sich die Stadt wenig kooperativ zeigt. Wir haben auf der Straße auch einen 90-jährigen Mann, von dem man nicht erwarten kann, dass er die Tonnen über die Straße rollt." KOMMENTAR
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