Hösel: Technisch meisterhaft
VON GISELA SCHÖTTLER - zuletzt aktualisiert: 11.11.2008Düsseldorf (RPO). Beim letzten Abonnementkonzert des Kulturkreises Hösel in diesem Jahr überzeugten die Streicher des casalQuartetts aus Zürich mit vielen verschiedenen Klang-Facetten.
Ein temperamentvolles Ensemble und ein ungewöhnliches Programm zogen zum letzten Abonnementkonzert des Kulturkreises Hösel in diesem Jahr besonders viele Zuhörer in das Oktogon des Oberschlesischen Landesmuseums. Unter dem Titel „Amerika“ verstand das casalQuartett aus Zürich dem Streicherklang sehr vielfältige Facetten zu geben. Freilich trug dazu bei, dass außer Dvoráks Op. 96 ausschließlich Bearbeitungen und Arrangements gespielt wurden. Für die in aller Welt konzertierenden Musiker war es eine ständige Herausforderung, der sie mit Bravour gerecht wurden.
Den ersten Teil bestimmte Antonin Dvoráks Amerikanisches Quartett, das als sein bekanntestes Kammermusikwerk gilt. In den vier Sätzen fanden sich hinreißende Motive, die von Freiheit, Lebenslust, und urtümlicher Musikalität, aber auch von Sehnsucht und Unbehagen kündeten. Was im ersten Satz noch stellenweise zerrissen wirkte, entwickelte sich im Lento zu großem Gefühl, jagte mit kecken Rufen durch das Scherzo und faszinierte im Finale im eigenartigen Trommelrhythmus, über dem die Geigen wild und schön sangen.
Tempo und Leidenschaft
Technisch waren Rachel Späth und Daria Zappa (Violine), Markus Fleck (Viola) und Andreas Fleck (Violoncello) meisterhaft. Das zeigte sich in den klangschönen Cello- und Viola-Passagen der Mittelsätze ebenso wie in der Springbogentechnik im Rondo. In der Interpretation lag der Schwerpunkt auf Tempo und Leidenschaft. Von der Melodie her dürfte auch fast jeder den folgenden St. Louis Blues von W.C. Handy im Ohr gehabt haben. Das casalQuartett servierte ihn höchst appetitlich wie ein dreifach belegtes Sandwich mit bunter Verzierung. Markus Fleck schlüpfte dazu in die Rolle des Erzählers, der über Komponisten und Werke berichtete – unter anderem über Astor Piazzolla, der den zweiten Teil des Programms prägte.
Was der in New York aufgewachsene und stets als Exzentriker aufgefallene Argentinier Piazzolla aus der Tango-Idee machte, war in vier von Markus Fleck arrangierten Varianten zu erahnen. Eine Milonga erschien wie ein ganzer Lebensweg, so spannend und rhythmisch betont wurde vom Tod eines Metzgers berichtet. Wie eine Sinfonie mit atonalem Einschlag sprudelte der dritte Tango heraus und wurde gerade noch von der verhaltenen Filmmusik „C’est l’amour“ aufgefangen.
Priestermarsch als Zugabe
Den Abschluss gab nicht weniger bezwingend ein von Sergio Drabkin arrangierter Querschnitt durch George Gershwins Oper „Porgy & Bess“, sehr gut für Streicher ausgeformt und dem casalQuartett auch in der Stimmung wie auf den Leib geschneidert. Als verblüffender Kontrast erschien die dem lebhaften Applaus folgende Zugabe: Der Priestermarsch aus Mozarts Zauberflöte – voller Andacht und Anmut auf den historischen Instrumenten gespielt.
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