Ratingen: Teldafax-Kunden in Sorge
VON JOACHIM PREUSS - zuletzt aktualisiert: 22.03.2011Düsseldorf (RPO). Der Billigstromanbieter steht mit offenen Rechnungen bei den Stadtwerken Ratingen in der Kreide. Wird der Saft abgedreht, werden die Kunden von den Stadtwerken übernommen. Bei Insolvenz sind Vorauszahlungen wohl weg.
Von den offensichtlichen Finanzproblemen des Stromanbieters Teldafax sind auch einige hundert Kunden in Ratingen betroffen. Sie sorgen sich um ihre Vorauszahlungen, falls Teldafax in die Insolvenz geht. Uwe Behrendt, Leiter Marketing der Stadtwerke Ratingen, bestätigte gestern, dass es offene Rechnungen für die Nutzung der Leitungen gebe. "Wir haben Mahnungen herausgeschickt", sagte er. Man müsse erst einmal abwarten, wie der Stromanbieter reagiere.
Ende vergangener Woche hatten unter anderem bereits die Stadtwerke Velbert dem Konkurrenten gekündigt und die betroffenen Kunden übernommen. So weit sei man in Ratingen noch nicht, so Behrendt.
Für Teldafax warb zuletzt Ex-Fußballstar Rudi Völler. Teldafax gilt mit etwa 800 000 Strom- und Gaskunden als größter Billig-Anbieter in Deutschland. Schon seit Monaten ist immer wieder die Rede von einer drohenden Insolvenz. Nach Angaben von Teldafax ist das Unternehmen Anfang März von der CPA Invest AG übernommen worden. Neuer Vorstandsvorsitzender ist Dr. Hans-Gerd Höptner: Er hatte bereits Schiesser saniert. "Ziel der neuen Gesellschafter ist es, das Unternehmen zunächst zu stabilisieren und dann strategisch weiter auszubauen", erklärte Höptner.
Doch davon scheint man noch weit entfernt. Für das Bereitstellen der Leitungen muss der Fremdanbieter den Stadtwerken das sogenannte Netzentgelt zahlen. Mit diesen Zahlungen sei Teldafax in Verzug geraten, so Behrendt. Es sei gesetzlich geregelt, wann die Stadtwerke dem Konkurrenten den Saft abdrehen können.
Kunden müssten jetzt nicht befürchten, plötzlich ohne Strom dazustehe, betonte Behrendt. Als sogenannter Grundversorger sei man zur Lieferung von Energie verpflichtet. Als Grundversorger gelte man, wenn man in einem Gebiet der größte Anbieter sei.
Die Stromlieferung ist also auf jeden Fall gesichert. Allerdings zunächst wohl nicht zu Sonderkonditionen, wie Behrendt sagte. Behrendt rät allen Betroffenen, sich auf dem Markt auch nach alternativen Anbietern umzuschauen.
Schwierig könnte es aber sein, aus den meist langfristigen Verträgen mit Teldafax wieder herauszukommen: Behrendt empfiehlt daher dringend, einen Blick in die jeweiligen Vertragsbedingungen zu werfen. Sollte es tatsächlich zu einer Insolvenz des Anbieters kommen, könnten bisher geleistete Vorauszahlungen aber wohl "futsch" sein.
Die Stadtwerke haben Teldafax eine Frist gesetzt. Danach droht die Kündigung des "Händlerrahmenvertrages". Im Klartext: Die Stadtwerke ziehen bei Teldafax den Stecker und hängen die Kunden, die keinen neuen Anbieter haben, sofort an den eigenen Strom. Dazu müssen die Zählerstände abgelesen werden. Der plötzliche Strom-Mehrbedarf müsse unter Umständen teuer am Markt eingekauft werden, warnte Behrendt.
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