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Lintorf: Test: Brücke fällt durch

VON CHRISTIANE BOURS - zuletzt aktualisiert: 02.09.2011

Lintorf (RP). Der Ratinger Blinden- und Sehbehindertenverein beklagte bei einem Ortstermin, dass die Rampen an der Lintorfer Brücke zu steil und gefährlich seien. Unterstützung kommt vom Landesbehindertenbeirat.

Am 10. Oktober soll die Lintorfer Brücke in die Tiefenbroicher Siedlung eröffnet werden. Autofahrer sehnen sie schon seit Jahren herbei, besonders ältere Fußgänger werden wohl nicht so begeistert sein. Das befürchten zumindest die Mitglieder des Ratinger Blindenvereins (BSV) und deren Vertreter bei der Landesregierung.

Am Donnerstag machten sich BSV-Vorsitzende Marion Höltermann, Norbert Killewald, Beauftragter der Landesregierung für Behinderte, und Gerd Kozyk vom Landesbehindertenbeirat vor Ort ein Bild über die Fußgängerwege, die künftig von Müttern mit Kinderwagen, älteren Menschen mit Rollator oder Rollstuhl und auch Sehbehinderten bewältigt werden müssen.

Ihr Fazit: Die beiden Rampen sind völlig ungeeignet, sogar gefährlich. Sechs Prozent Steigung gilt es auf der rund 200 Meter langen, kerzengeraden Strecke zu überwinden. Die Stadt hat dabei das gesetzliche Maximum der erlaubten Steigung voll ausgereizt. Ohne waagerechte Zwischenplätze, an denen man sich kurz ausruhen könnte. "Jetzt stelle man sich vor, man ist schon älter und läuft diese Strecke mit dem Rollator und seinen Einkäufen hoch", sagt Killewald.

Seiner Ansicht nach noch gefährlicher: der Weg nach unten. Denn im Prinzip müssten Fußgänger und Rollstuhlfahrer auf der gesamten Strecke abbremsen, um unten angekommen nicht auf die Fahrbahn zu geraten, so Killewald. Diese grenzt nämlich direkt an das Ende der Rampe. Ob ältere Menschen oder Rollstuhlfahrer dazu allerdings in der Lage sind, hält er für fraglich.

Noch schlimmer als für Senioren mit Rollator oder Rollstuhlfahrer sei die Brücke allerdings für Blinde. "Es fehlen wichtige Markierungen, vor allem an der Treppe, die am Blyth-Valley-Ring zur Brücke hinauf führt. Dort müsse mit speziell markierten Steinen nachgebessert werden, sonst könne es für Sehbehinderte zu lebensgefährlichen Situationen kommen. Dies gelte auch für die Wege rund um den Kreisverkehr in der Tiefenbroicher Siedlung.

Nicht an Planungen beteiligt

Was Marion Höltermann und Norbert Killewald besonders ärgert ist, dass die Stadt all diese Dinge in ihren Planungen nicht berücksichtigt habe. Schließlich gebe es eine UN-Konvention, nach der Behinderte das Recht auf selbstständige Teilhabe am öffentliche Leben haben, also auch darauf wie sie wohin kommen. Diese Konvention wurde auch von Deutschland und NRW unterschrieben, die darunterfallenden Gesetze allerdings noch nicht geändert.

So fallen Bauwerke wie eben die Lintorfer Brücke noch unter die alten Gesetze. "Dabei wissen wir es doch inzwischen besser", sagt Killewald. Und da inzwischen 25 Prozent aller Menschen, die älter als 65 Jahre sind, Behinderungen haben, zumeist Gehbehinderungen, müsse man dieses Wissen doch in die Planung öffentlicher Bauwerke einfließen lassen.

Quelle: RP


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