Ratingen: Tresor-Diebe: Stadt im Visier
VON NORBERT KLEEBERG - zuletzt aktualisiert: 19.09.2006Düsseldorf (RPO). Die Ratinger Polizei spricht von einem neuen Phänomen: Unbekannte dringen in Gebäude ein und stehlen schwere Geldschränke. Die werden aufgebrochen gefunden. Aktueller Tatort: das Volvo-Autohaus in Lintorf.
Firmeneinbrüche
Anstieg: Zwischen den Jahren 2004 und 2005 gab es bei den Firmeneinbrüchen auf Ratinger Stadtgebiet einen rasanten Anstieg: nämlich von 61 auf 113. Zum aktuellen Zeit liegt die Zahl für 2006 bei 77.
Sorgen bereiten den Ermittlern Büros im Zentrum, die besonders häufig heimgesucht werden.
Es geschieht meistens am Wochenende. Immer dann, wenn niemand arbeitet und niemand in den Büroräumen sitzt. Die Täter gehen entschlossen zu Werke, räumen Hindernisse brachial zur Seite – wohl wissend, dass Lärm ohnehin unerhört bleibt.
Die jüngste Tat liegt wenige Tage zurück. Der Tatzeitpunkt lässt sich präzise wohl nicht mehr feststellen: In der Nacht zum vergangenen Samstag drangen mehrere Unbekannte in das Volvo-Autohaus Am Schließkothen in Lintorf ein. Sie hatten zunächst das Zufahrtstor geöffnet, brachen ein Rolltor auf, öffneten mehrere Räume, durchwühlten Schränke und Schubladen. Sie stießen schließlich auf einen zwei Meter hohen Standtresor, den sie mehr als 20 Meter durchs Gebäude schleiften.
Dann wollten sie den Tresor in einen silbernen Volvo V 90 laden, dessen Schlüssel sie beim Einbruch gefunden hatten. Der Wagen wurde beim Beladen leicht beschädigt, die Täter schafften den Geldschrank schließlich in einen silberfarbenen Volvo 70. Die Schlüssel des Fahrzeugs hatten sie ebenfalls gefunden. In dem Fahrzeug mit dem Kennzeichen ME-VC 131 entkamen die Diebe unerkannt. Der Wagen wurde zur internationalen Fahndung ausgeschrieben.
„Die Tat ist leider kein Einzelfall“, betonte Dirk Druyen, Leiter der Polizei-Inspektion (PI) West. Einbrüche in Autohäuser und Bürogebäude seien insgesamt sehr schwierig zu bearbeiten, erklärte Druyen. Ein Grund: Es gibt selten Zeugen, die Täter arbeiten quasi ungestört und verschwinden unerkannt.
Im Fall des Autohauses Giertz Anfang August sah die Lage jedoch anders aus: Damals hatte eine Putzfrau in und unter Fahrzeugen zusortierte Schlüssel gefunden. Die Mitarbeiterin hatte das Autohaus gegen 4.50 Uhr betreten. Fest steht: Die Täter hatten den 1,50 Meter hohen Stahltresor in die Tiefe geworfen. Darin befanden sich Bargeld, Fahrzeugscheine, Schilder und Briefe.
„Den Tresor fand man später in einer benachbarten Stadt“, erklärte Hardo Müller, Leiter des Kriminalkommissariats Einbruch und Raub bei der Ratinger Polizei. Müller spricht von einem „neuen Phänomen“, das freilich nichts mit Firmeneinbrüchen zu tun habe. Auf diesem Feld geht der Experte von „lokalen Tätern“ aus, Dieben also, die aus der näheren Umgebung kommen. Die Unbekannten entwenden Computer und Flachbildschirme, nehmen sich auch kleine Versicherungsbüros vor. Die Möglichkeiten der Polizei sind begrenzt: Druyen setzt vor allem auf zivile Einsatz-Trupps (ET), die in Gewerbegebieten verstärkt unterwegs sind. Bei den Tresor-Dieben könnte es sich um Täter handeln, die gezielt Städte in der Region im Visier haben. Müller bestätigt diese Theorie: „Sie entwenden einen Tresor in Ratingen und lassen ihn in einer Nachbarstadt liegen – und umgekehrt.“
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