Ratingen: "Ungenügend" für die S 6
VON JOACHIM PREUSS - zuletzt aktualisiert: 24.03.2009Düsseldorf (RPO). Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) hat für seinen jüngsten Bericht Bahnverbindungen und Bahnhöfe getestet. Die S 6 ist die schlechteste Strecke im VRR-Gebiet. Mäßige Noten für Ratinger Stationen.
Mal wieder war der S-Bahnhof in der vergangenen Woche in Hösel unpassierbar: Diesmal hinderte eine Riesenpfütze die Kunden daran, vom Parkplatz aus das Gleis 2 in Richtung Düsseldorf zu erreichen. Gestern wurde dort gearbeitet – vielleicht verschwindet dann auch das Wasser. Die Bahn selbst wird dadurch nicht pünktlicher: Im jüngsten Bericht des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr (VRR) gibt es von den Profi-Testern die Note "Ungenügend": Die S 6 ist nach der S5/S8 die unpünktlichste Verbindung im gesamten Verbreitungsgebiet.
Regelmäßige Nutzer wundert das vernichtende Urteil kaum: Wer auf nachfolgende Verbindungen angewiesen ist, verlässt sich nie auf den theoretischen Fahrplan, sondern nimmt immer mindestens eine S-Bahn früher.
Immer mehr Verspätungen
Der VRR-Bericht bestätigt: Seit 2006 hat sich die Pünktlichkeit der S-Bahnen weiter verschlechtert: Die durchschnittliche Verspätung je Fahrt stieg von 1,3 Minuten in 2006 auf 1,5 Minuten an. Bei der S 6 sogar auf fast 1,9 Minuten.
Die Uraltzüge der S 6 mit den ausgedienten Loks aus der ehemaligen DDR (Baujahr 1984 bis 1988) brechen immer häufiger zusammen. Dazu kommt die Strecke, die über weite Teile, wie in Ratingen, durch Waldgebiet führt und wo schon mal ein Baum in die Oberleitung fällt. Das schlägt sich in der Statistik für Totalausfälle nieder: Da spielt die S 6 mit 3,17 Prozent neben der S 7 und S 1 ebenfalls in der "Hitparade" ganz oben mit. Am 21. November 2008 fielen 60 der insgesamt 106 geplanten Fahrten aus: Es hatte ein Unwetter getobt.
Der Gestank und der Dreck in den S 6-Bahnen sind sprichwörtlich. "Häufig führen defekte Toiletten, verschmutzte Böden sowie zerkratzte Scheiben zu einer Abwertung", stellten die Tester lapidar fest. Im Blick hatten sie auch Graffitis. Während DB-Linien auf 90-prozentige Zufriedenheitsraten kammen, landete die S 6 mit nur 82 Prozent auf dem hintersten Platz.
Der Belästigungsschutz abends und nachts werde von den Fahrgästen auf den Linien der DB Regio NRW generell sehr schlecht beurteilt, während die Beurteilung auf den Linien der anderen, privaten Betreiber weitgehend positiv ausfalle, so der VRR. So schlägt der VRR vor, immer mehr Linien in neue Hände zu geben. Nur bei den Ratinger Bahnhöfen scheinen die VRR-Experten nicht so richtig hingeschaut zu haben – oder es war gerade mal wieder geputzt worden. Auf der Skala "Grün", "Gelb" und "Rot" bekamen Ost und Hösel ein "Gelb" für "noch akzeptabel". Entscheidend war bei der Bewertung, ob Graffiti-Schmierereien vorhanden waren. O-Ton VRR: "Das Erscheinungsbild einer Station sollte so sein, dass der Fahrgast sich hier wohl fühlt. Daher ist es wichtig, dass eine Station sauber ist, kein Graffiti vorhanden ist, technische Einrichtungen funktionstüchtig sind und aktuelle Fahrplaninformationen bekannt gegeben werden." Soweit die Theorie.
Die von den VRR-Testern erhobenen Daten werden der DB Regio NRW wöchentlich zur Verfügung gestellt und von dort an DB Station&Service AG weiter geleitet, damit die festgestellten Mängel zeitnah beseitigt werden.
Doch da scheint es zu hapern: Dieses Verfahren müsse noch "verbessert" werden. Denn "seitens der DB Station&Service AG erfolgen zurzeit nur sporadisch Rückmeldungen über die Beseitigungen der Mängel".
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